Digitales Tracking ist nicht immer so zuverlässig, wie die Daten glauben machen. / © Getty Images/Ekaterina Demidova
Wie viel Tiefschlaf hatte ich in der letzten Nacht? Habe ich heute die 10.000 Schritte geschafft? Und wie viele Kalorien hat eigentlich das letzte Workout verbrannt? Diese Messdaten und Statistiken üben auf viele von uns eine große Faszination aus. In einer Umfrage des Digitalverbands Bitkom gaben im vergangenen Jahr 73 Prozent der Befragten an, mit Apps ihre Fitness, Ernährung und allgemeines Wohlbefinden zu unterstützen. 43 Prozent nutzten Tracking-Apps wie Apple Health, Google Fit oder Health Connect, die auch mit externen Trackern oder sogenannten Wearables wie Fitness-Uhren gekoppelt werden können.
Unter Frauen sind auch Apps beliebt, mit denen der eigene Menstruationszyklus getrackt wird. Darin gibt man Daten zur Blutung oder auch zur Körpertemperatur an. Manche nutzen dies zur Verhütung oder zur Bestimmung von fruchtbaren Tagen, andere richten danach ihre Ernährung oder ihr Sportprogramm aus – ein Trend, der unter dem Schlagwort »Cycle Syncing« bekannt ist.
Viele der Tracking-Apps sind kostenlos. Als Nutzer oder Nutzerin bezahlt man jedoch mit seinen Daten. Im Fachjournal »British Medical Journal« warnen Forschende nun, die Nachteile – explizit von Apps zum Tracking des Menstruationszyklus – könnten die Vorteile überwiegen.
So sei der Schutz von sensiblen Gesundheitsinformationen gefährdet und es gebe Risiken einer unerwünschten Überwachung sowie verschwendeter Zeit und Mühe.
»Diese Apps haben das Potenzial, das Wohlbefinden von Frauen und Mädchen in großem Umfang zu beeinflussen. Es fehlen jedoch Belege dafür, dass diese digitalen Tools tatsächlich bei der Bewältigung von Menstruationsbeschwerden helfen, die Gesundheit fördern und Einblicke in die Bewegungs- und Ernährungsbedürfnisse liefern können«, warnen Dr. Katharine Lee von der Tulane University in New Orleans und ihre Kollegen in ihrem Beitrag. Die Forschung in den Sportwissenschaften habe nicht allgemein belegen können, dass die Zyklusphasen von Frauen einen signifikanten Einfluss auf Performance oder Verletzungsrisiko haben. Selbst wenn es solche Fluktuationen gebe, könne einfaches digitales Tracking sie nicht zuverlässig vorhersagen.