| Christina Hohmann-Jeddi |
| 28.07.2026 11:30 Uhr |
Bei vielen Kalorien-Tracking-Apps gibt es inzwischen die Funktion, sich den Energiegehalt aus Smartphone-Fotos der Mahlzeiten bestimmen zu lassen. / © Getty Images/Filmstax
Wer an Gewicht verlieren will, greift häufig auf Kalorien-Tracking-Apps zurück. Dabei gelten Anwendungen, die mithilfe von künstlicher Intelligenz (KI) den Energiegehalt von Mahlzeiten anhand von Smartphone-Bildern abschätzen, als zeitsparende Hilfe. Doch eine Studie von Forschenden um Olivia Charles vom US-amerikanischen National Institute of Diabetes and Digestive and Kidney Diseases (NIDDK) zeigt: Die Genauigkeit der KI-gestützten Anwendungen hat noch Luft nach oben. Entsprechende Studiendaten stellte Charles am 25. Juli beim Jahreskongress »Nutrition 2026« der US-amerikanischen Gesellschaft für Ernährung in National Harbor vor.
Für die Untersuchung analysierte das Team standardisierte Fotos von 102 Mahlzeiten, die im Rahmen einer Ernährungsstudie am National Institute of Health Clinical Center unter kontrollierten Bedingungen zubereitet worden waren. Die Bilder wurden anschließend mit den Apps MyFitnessPal, LoseIt!, CalAI und Appediet ausgewertet. Da sämtliche Zutaten in einer speziellen Forschungsküche bis auf 0,1 g genau abgewogen wurden, konnten die Schätzungen der Apps mit präzisen Referenzwerten verglichen werden.
Das Ergebnis: Alle vier Apps unterschätzten den Kaloriengehalt der Mahlzeiten im Durchschnitt um etwa 250 bis 345 Kalorien und den Fettgehalt um etwa 30 g. Die Studie zeigte außerdem, dass die Apps MyFitnessPal und LoseIt! den Energiegehalt kalorienreicherer Mahlzeiten genauer schätzten als den kalorienärmerer Mahlzeiten. Alle vier Apps ermittelten den Kohlenhydrate-Anteil besser als den anderer Makronährstoffe.
»Wer eine fotobasierte Tracking-App nutzt, ohne die Portionen anzupassen oder die Lebensmittelmengen einzugeben, sollte die Ergebnisse mit Vorsicht genießen«, sagt Dr. Aaron Hengist vom NIDDK in einer Mitteilung der Fachgesellschaft. »Diese Apps neigen dazu, Kalorien zu unterschätzen, insbesondere aus Fetten, sodass die tatsächlich verzehrte Menge wahrscheinlich höher ist als das, was die App anzeigt.«
Eine zweite Analyse von zusätzlichen 200 Mahlzeiten zeigte, dass die Anwendungen vor allem bei kohlenhydratarmen, fettreichen ketogenen Gerichten Schwierigkeiten haben.