Frauen und Mädchen können in den Apps ihre Blutungstage, ihre Stimmung oder auch das Energielevel dokumentieren. / © Getty Images/SeventyFour
Wenn Frauen oder Mädchen ihren Zyklus digital tracken und ihre Ernährung sowie ihr Training an die jeweilige Zyklusphase anpassen, nennt man das Cycle Syncing, zu Deutsch etwa Zyklussynchronisation. In den sozialen Medien werden zunehmend Apps zu diesem Zweck angepriesen, die sich als Teil der Frauenbewegung im Gesundheitsbereich positionieren. Sie postulieren, mithilfe wissenschaftlicher Analysen die Gesundheit, das Wohlbefinden und die Leistungsfähigkeit der Anwenderin verbessern zu können.
Ein Team um die Anthropologin Dr. Katharine Lee von der Tulane University in New Orleans stellt in einer Analyse im Fachjournal »The BMJ« allerdings fest, dass die wissenschaftliche Evidenz für diese Aussagen äußerst schwach ist. Beispiel Sport: Jahrzehnte sportwissenschaftlicher Untersuchungen hätten keinen verallgemeinerbaren Einfluss der Zyklusphase gezeigt – weder auf die Leistung noch auf das Verletzungsrisiko oder die Gesundheit. Beobachtete Effekte fielen nur gering aus und variierten stark bei unterschiedlichen Frauen. Auch Studien zur zyklusabhängigen Ernährung hätten bislang keine eindeutigen Belege für Vorteile bezüglich der Gesundheit oder Leistungsfähigkeit geliefert.
Hinzu komme, dass viele Apps die Zyklusphase nur anhand der eingegebenen Blutungstage schätzen, was als äußerst ungenau gilt. Die Genauigkeit ließe sich verbessern, indem die Basaltemperatur, die Beschaffenheit des Zervixschleims oder Veränderungen des luteinisierenden Hormons berücksichtigt werden. Doch selbst dann sei der Zeitpunkt des Eisprungs stets variabel, Hormone schwankten von einem Zyklus zum nächsten und anovulatorische Zyklen könnten auftreten.
»Abgesehen von ihrer schwachen Evidenz bergen digitale Technologien zur Zyklusverfolgung ernsthafte Risiken«, so Lee und ihr Team. Einen besonders wichtigen Kritikpunkt sehen sie im Umgang mit sensiblen Gesundheitsdaten: Viele Anbieter legten nicht transparent genug dar, wie sie mit diesen Daten umgehen. Einige Apps und Plattformen sammelten und verkauften die Daten sogar, so die Autorinnen. Sie sprechen sich daher für einen besseren Schutz sensibler Gesundheitsdaten von Nutzerinnen aus.
Weiterhin könne der übermäßige Fokus auf den eigenen Zyklus Mädchen und Frauen von anderen gesundheitsfördernden Maßnahmen ablenken. Gleichzeitig seien digitale Zyklus-Tracker allein nicht geeignet, um Erkrankungen wie beispielsweise eine Endometriose zu diagnostizieren oder die Ursachen von Zyklusveränderungen aufzudecken.