Einige Empfehlungen im Zusammenhang mit dem Cycle Syncing stünden sogar im direkten Widerspruch zu etablierten Leitlinien, kritisieren die Autorinnen. So werde etwa für lange Abschnitte des Zyklus zu wenig intensiven Aktivitäten wie Yoga und Spaziergängen geraten. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt jedoch Erwachsenen pro Woche mindestens 150 Minuten moderates oder 75 Minuten intensives aerobes Training und muskelkräftigende Übungen an zwei Tagen. Ein höheres Aktivitätsniveau kann zusätzliche gesundheitliche Vorteile bieten.
Teilweise werde Frauen zudem geraten, hormonelle Verhütungsmittel abzusetzen, um sich besser am »natürlichen« Zyklus ausrichten zu können. Dies könne die Wahrscheinlichkeit einer ungewollten Schwangerschaft erhöhen. Generell sollten Mädchen und Frauen ihre Verhütungsmethoden nicht eigenmächtig absetzen, sondern zuvor mit ihrem Frauenarzt oder ihrer Frauenärztin darüber sprechen.
»Diese Apps haben potenziell weitreichende Auswirkungen auf das Wohlbefinden von Frauen und Mädchen«, fassen die Autorinnen zusammen. Daher sei es wichtig, dass Fachkräfte des Gesundheitssystems, Behörden, aber auch die breite Öffentlichkeit die Risiken erkennen und ihnen entgegenwirken. Ärzte sollten nur zu entsprechenden Apps raten, wenn diese Qualitäts- und Evidenzstandards erfüllen. Eine Orientierung bietet die Liste zertifizierter Digitaler Gesundheitsanwendungen (DiGA) beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM), auf der etwa die »Endo-App« für Frauen und Mädchen mit einer Endometriose zu finden ist.