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Cycle Syncing
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Hype ohne Grundlage

Millionen Mädchen und Frauen nutzen Apps, um ihren Zyklus zu verfolgen und Ernährung oder Training daran anzupassen. Belege dafür, dass das Vorteile hat, gibt es aber so gut wie keine. Eine aktuelle Arbeit hat die Evidenz zusammengetragen.
AutorKontaktLina Müller
Datum 08.10.2026  10:30 Uhr

Wenn Frauen oder Mädchen ihren Zyklus digital tracken und ihre Ernährung sowie ihr Training an die jeweilige Zyklusphase anpassen, nennt man das Cycle Syncing, zu Deutsch etwa Zyklussynchronisation. In den sozialen Medien werden zunehmend Apps zu diesem Zweck angepriesen, die sich als Teil der Frauenbewegung im Gesundheitsbereich positionieren. Sie postulieren, mithilfe wissenschaftlicher Analysen die Gesundheit, das Wohlbefinden und die Leistungsfähigkeit der Anwenderin verbessern zu können.

Ein Team um die Anthropologin Dr. Katharine Lee von der Tulane University in New Orleans stellt in einer Analyse im Fachjournal »The BMJ« allerdings fest, dass die wissenschaftliche Evidenz für diese Aussagen äußerst schwach ist. Beispiel Sport: Jahrzehnte sportwissenschaftlicher Untersuchungen hätten keinen verallgemeinerbaren Einfluss der Zyklusphase gezeigt – weder auf die Leistung noch auf das Verletzungsrisiko oder die Gesundheit. Beobachtete Effekte fielen nur gering aus und variierten stark bei unterschiedlichen Frauen. Auch Studien zur zyklusabhängigen Ernährung hätten bislang keine eindeutigen Belege für Vorteile bezüglich der Gesundheit oder Leistungsfähigkeit geliefert.

Hinzu komme, dass viele Apps die Zyklusphase nur anhand der eingegebenen Blutungstage schätzen, was als äußerst ungenau gilt. Die Genauigkeit ließe sich verbessern, indem die Basaltemperatur, die Beschaffenheit des Zervixschleims oder Veränderungen des luteinisierenden Hormons berücksichtigt werden. Doch selbst dann sei der Zeitpunkt des Eisprungs stets variabel, Hormone schwankten von einem Zyklus zum nächsten und anovulatorische Zyklen könnten auftreten.

Risiken nicht unterschätzen

»Abgesehen von ihrer schwachen Evidenz bergen digitale Technologien zur Zyklusverfolgung ernsthafte Risiken«, so Lee und ihr Team. Einen besonders wichtigen Kritikpunkt sehen sie im Umgang mit sensiblen Gesundheitsdaten: Viele Anbieter legten nicht transparent genug dar, wie sie mit diesen Daten umgehen. Einige Apps und Plattformen sammelten und verkauften die Daten sogar, so die Autorinnen. Sie sprechen sich daher für einen besseren Schutz sensibler Gesundheitsdaten von Nutzerinnen aus.

Weiterhin könne der übermäßige Fokus auf den eigenen Zyklus Mädchen und Frauen von anderen gesundheitsfördernden Maßnahmen ablenken. Gleichzeitig seien digitale Zyklus-Tracker allein nicht geeignet, um Erkrankungen wie beispielsweise eine Endometriose zu diagnostizieren oder die Ursachen von Zyklusveränderungen aufzudecken.

Empfehlungen widersprechen etablierten Leitlinien

Einige Empfehlungen im Zusammenhang mit dem Cycle Syncing stünden sogar im direkten Widerspruch zu etablierten Leitlinien, kritisieren die Autorinnen. So werde etwa für lange Abschnitte des Zyklus zu wenig intensiven Aktivitäten wie Yoga und Spaziergängen geraten. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt jedoch Erwachsenen pro Woche mindestens 150 Minuten moderates oder 75 Minuten intensives aerobes Training und muskelkräftigende Übungen an zwei Tagen. Ein höheres Aktivitätsniveau kann zusätzliche gesundheitliche Vorteile bieten.

Teilweise werde Frauen zudem geraten, hormonelle Verhütungsmittel abzusetzen, um sich besser am »natürlichen« Zyklus ausrichten zu können. Dies könne die Wahrscheinlichkeit einer ungewollten Schwangerschaft erhöhen. Generell sollten Mädchen und Frauen ihre Verhütungsmethoden nicht eigenmächtig absetzen, sondern zuvor mit ihrem Frauenarzt oder ihrer Frauenärztin darüber sprechen.

»Diese Apps haben potenziell weitreichende Auswirkungen auf das Wohlbefinden von Frauen und Mädchen«, fassen die Autorinnen zusammen. Daher sei es wichtig, dass Fachkräfte des Gesundheitssystems, Behörden, aber auch die breite Öffentlichkeit die Risiken erkennen und ihnen entgegenwirken. Ärzte sollten nur zu entsprechenden Apps raten, wenn diese Qualitäts- und Evidenzstandards erfüllen. Eine Orientierung bietet die Liste zertifizierter Digitaler Gesundheitsanwendungen (DiGA) beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM), auf der etwa die »Endo-App« für Frauen und Mädchen mit einer Endometriose zu finden ist. 

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