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Krisenfall
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Schwaches Gesundheitssystem, schwacher Staat

Unter dem Motto »Zeitwende in der Arzneimittelversorgung« fand das Frühlingsfest des Pharma-Verbands Pro Generika in Berlin statt. Dabei ging es einerseits um die Prioritäten, die sich der Staat setzen muss, um für den Krisenfall gerüstet zu sein, und andererseits um die Gewährleistung der Demokratie durch ein funktionierendes Gesundheitssystem.
AutorKontaktAlexandra Amanatidou
Datum 22.04.2026  18:00 Uhr
Pilsinger: »Es muss eine europäische Lösung geben«

Pilsinger: »Es muss eine europäische Lösung geben«

Rottmann-Großner vom Gesundheitsministerium wies darauf hin, dass Deutschland »europarechtskonform« agieren und auf Wettbewerb zwischen den Mitgliedstaaten achten müsse. Auch müsse unterschieden werden zwischen einem funktionierenden System im Krisenfall und den Anforderungen an finanzierbare Sozialsysteme im Normalbetrieb.

»Deutschland wird nicht die Mittel haben, alles allein herzustellen. Es muss eine europäische Lösung geben«, bekräftigte der CSU-Abgeordnete Pilsinger. Auch Oberstapotheker Klaubert ist der Meinung, dass eine Herstellung von Arzneimitteln in ganz Europa nötig sei: »Am besten im Westen als im Osten Europas«, sagte er mit Blick auf die geopolitische Lage. 

Um die Republik im Ernstfall mit Medikamenten zu versorgen, sei es laut Rottmann-Großner wichtig, zunächst die »essentiellen Produkte« zu definieren. Auch Klaubert stimmt zu, dass essentielle Medikamente und deren benötigte Anzahl definiert werden müssen. Die Bundeswehr verfügt schon über solche Aufstellungen, hat aber auch andere Ansprüche. An einer Liste mit essenziellen Arzneimitteln führe kein Weg vorbei. Die Experten sind sich einig: Im Krisen- oder gar Kriegsfall entscheiden auch Antibiotikabestände über Sieg und Niederlage.

Zudem müsse die Politik gemeinsam mit der Industrie überlegen, wie Kapazitäten und Lieferketten am besten funktionieren könnten, so Rottmann-Großner. Was die Zusammenarbeit zwischen Politik und Industrie betrifft, sind die USA laut Felgenhauer Europa einige Jahre voraus. Dort gebe es eine größere Geschlossenheit zwischen Militär, Industrie und Politik als in Europa. Hersteller benötigten vor allem Planungssicherheit über mehrere Jahre, um Investitionen anzustoßen.

Auch Pilsinger ist der Meinung, dass der Staat Prioritäten setzen müsse. »Was nachweislich nichts bringt, soll raus«, sagte er. Durch Einsparungen könnten laut dem CSU-Politiker neue Prioritäten gesetzt und finanziert werden. Man müsse Geld gezielt einsetzen und »den Mut zu Entscheidungen haben«. Aber Pilsinger weiß auch, wie schwer sich Politik tut, etwa höhere Verteidigungsausgaben zu rechtfertigen, wenn die Bevölkerung zurecht den Zustand von Schulen und Kindergärten beklagt. Alle Diskussionsteilnehmer wünschten sich mehr Aufklärung, um dem Populismus keine Bühne zu bieten.

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