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Drogensubstitution

Schmale Gratwanderung

Gesellschaftliche Teilhabe

Eine bessere Möglichkeit der Teilhabe an der Gesellschaft und am Berufsleben bietet die Substitution mit dem Partialagonisten Buprenorphin, die einen Vergaberhythmus alle zwei Tage möglich macht. Dies scheint zum einen in der großen Rezeptoraffinität, zum anderen in der hohen Lipophilie des auch als Schmerzmittel gemäß WHO-Stufe 3 eingesetzten Opioidanalgetikums begründet zu sein, die mit einer bis zu 72 Stunden anhaltenden Wirkdauer verknüpft ist.

Zudem wirkt Buprenorphin als partieller Agonist am µ-Rezeptor und Antagonist am κ-Rezeptor nicht sedierend. Der auch in höheren Dosen gut verträgliche Wirkstoff zeigt einen sogenannten Ceiling-, also Decken-Effekt hinsichtlich der Minderung der Atmung. Somit lässt sich die Dosis steigern, ohne dass das Risiko einer Atemdepression bedeutsam ansteigt (9).

Werden circa 23 Prozent der Substitutionspatienten mit Buprenorphin therapiert, so ist gerade die beim Einsatz dieser Substanz gewährleistete geistige Klarheit und Wachheit für die beruflich tätigen Patienten extrem wichtig ist (8). Ein Nachteil in der Sichtvergabe ist, dass die sublinguale Auflösung der Tabletten bis zu 15 Minuten dauern kann.

Zur Minderung des vermehrt zu beobachtenden intravenösen beziehungsweise intranasalen Missbrauchs ist Buprenorphin als Kombinationspräparat zusammen mit dem Opioidrezeptorantagonisten Naloxon verfügbar. Als kompetitiver Antagonist verdrängt Naloxon bei nasaler oder intravenöser Applikation andere Opioide vom Rezeptor beziehungsweise blockiert diesen für selbige. Es wird ein Entzugssyndrom ausgelöst.

Eine Depotformulierung, die je nach Dosierung einmal wöchentlich bis einmal monatlich unter die Haut gespritzt wird, unterbindet die missbräuchliche Applikation komplett und schafft erhebliche Freiräume für die Patienten, da (zwei)tägliche Besuche beim Arzt oder in der Apotheke wegfallen.

Eine weitere Verbesserung der Therapieoptionen verspricht ein Buprenorphin-Implantat, das den Wirkstoff kontinuierlich über einen Zeitraum von sechs Monaten aus im Oberarm implantierten Stäbchen abgeben kann. Die Adhärenz wird gestärkt, das Risiko für Rückfälle oder Missbrauch wird reduziert. Auch kann so verhindert werden, dass Kinder oder andere Personen im Haushalt das Substitutionsmittel versehentlich einnehmen.

Diese beiden zur Substitution zugelassenen Arzneimittel zur invasiven Verabreichung dürfen nach Paragraph 5 Absatz 10 BtmVV nur von in der arzneimittelrechtlichen Zulassung dafür vorgesehenem Personal verabreicht werden. Somit darf diese Vergabeform nicht delegiert werden.

2,1 Prozent der Substituierten erhalten Morphinsulfat in Form retardierter Hartkapseln (8). Lediglich 0,1 Prozent werden in begründeten Ausnahmefällen noch peroral mit Codein oder Dihydrocodein therapiert (8).

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