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Schnelltests auf SARS-CoV-2

Schlüssel zur Eindämmung?

Test auf Antikörper

Der PCR-Test weist eine akute Infektion nach, mit ihm lässt sich keine Aussage darüber treffen, wie viele Menschen in der Bevölkerung bereits einen Immunschutz aufgebaut haben. Um das herauszufinden, plant der Epidemiologe Professor Dr. Gérard Krause vom Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung in Braunschweig derzeit eine Studie. Beteiligt sein sollen neben seinem Institut die Blutspendedienste, die NAKO-Gesundheitsstudie, das Robert-Koch-Institut und das Institut für Virologie der Berliner Charité.

Für diese Untersuchungen ist ein valider Antikörpertest Voraussetzung. Diese Tests zeigen je nach vorgefundenen Antikörpern an, ob eine Person die Infektion gerade durchlebt oder bereits durchgemacht hat. So bildet der Körper Immunglobulin M (IgM) in der Akutphase der Infektion, Immunglobulin G (IgG) findet sich hingegen auch noch in der Spät- oder Nacherkrankungsphase im Blut. Menschen, die Antikörper gegen SARS-CoV-2 im Blut haben, sind vermutlich für eine Zeit immun und könnten zum Beispiel in der Pflege von Covid-19-Patienten bevorzugt eingesetzt werden.

Vorne dabei in der Entwicklung von Antikörpertests ist das Berliner Unternehmen PharmACT. Sein CE-gekennzeichneter Corona-Schnelltest ist bereits seit Anfang März auf dem Markt und hat eine Notfallzulassung der FDA. Als Probe wird eine kleine Menge Blut benötigt, die auf ihren Gehalt an den Antikörpern IgM und IgG untersucht wird.

PharmACT konnte in einer noch unveröffentlichten multizentrischen, prospektiven Studie mit einer Spezifität von fast 100 Prozent eine sehr gute Erkennung Gesunder zeigen. Bei der Detektion Erkrankter lag die Sensitivität anhand von IgM zwischen den Tagen 4 und 10 der Infektion bei 70 Prozent sowie zwischen den Tagen 11 und 24 anhand von IgM bei 92,3 Prozent und anhand von IgG bei 98,1 Prozent.

Interessierte werden sich diesen Test aber nicht selbst in der Apotheke oder im Onlineshop des Unternehmens kaufen können. Dr. Gunther Burgard, medizinischer Direktor von PharmACT, erklärt gegenüber der PZ: »Der PharmACT SARS-CoV-2-Schnelltest ist nicht für den Endverbraucher gedacht, sondern nur für Ärzte, Apotheker und medizinisches Personal in Krankenhäusern oder in den Notfallambulanzen. Patienten mit einem begründeten Verdacht wenden sich weiterhin an ihren Arzt.« Bei der Anwendung durch Laien bestehe die Gefahr einer unsachgemäßen Anwendung. »Dies kann im schlimmsten Fall zum falschen Testergebnis führen. Das gilt es in jedem Fall zu vermeiden.«

Auch US-amerikanische Forscher entwickeln derzeit Antikörpertests. Ein Team um Fatima Amanat von der Icahn School of Medicine in New York stellte im März einen anscheinend zuverlässigen Antikörpertest für SARS-CoV-2 vor und berichtete darüber online vorab auf »medRxiv« (DOI: 10.1101/2020.03.17.20037713). Es handelt sich dabei um einen ELISA-Test (Enzyme-Linked Immunosorbent Assay), der Antikörper gegen die Rezeptor-Bindungsstelle auf dem Spike-Protein (S-Protein) von SARS-CoV-2 erkennt. Das Ergebnis lässt sich anhand einer Farbreaktion ablesen.

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