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Pandemieeffekt

Rund 25 Prozent weniger Grüne Rezepte

Während der Coronavirus-Pandemie haben die Ärzte deutlich weniger Grüne Rezepte ausgestellt. Und auch die Top-Produktgruppen haben sich laut den Ergebnissen des sogenannten IQVIA Diagnosis Monitors deutlich verschoben.
Jennifer Evans
23.09.2021  15:00 Uhr

Die niedergelassenen Fachärzte haben zwischen Juli 2020 bis Juni 2021 seltener rezeptfreie Arzneimittel auf einem Grünen Rezept verordnet oder empfohlen als im selben Zeitraum des Vorjahrs. Der Rückgang liegt laut einer Marktstudie des Beratungsunternehmens IQVIA bei 25 Prozent und beläuft sich nun auf knapp 31,3 Millionen Verordnungen. Diese Entwicklung schreiben die Analysten der Covid-19-Pandemie zu, weil Patienten aufgrund des Infektionsrisikos seltener Arztpraxen aufsuchten.

Mit den Grünen Rezepten erhalten Ärzte sich ihre Therapiefreiheit, ohne das Kassenbudget zu belasten. Seit 2004 erhalten gesetzlich Versicherte nämlich keine Erstattung mehr für OTC-Präparate. Es sei denn, sie sind jünger als 12 Jahre oder leiden an einer Entwicklungsstörung. In letztem Fall zahlt die Kasse bis zum 18. Lebensjahr für rezeptfreie Arzneimittel. Meist dient diese Verordnung also nur noch als Gedankenstütze zu Dosierung, Wirkstoff oder der Darreichungsform eines OTC-Medikaments. Lediglich in Ausnahmefällen gibt es im Rahmen freiwilliger Satzungsleistungen einen Zuschuss von der Kasse.

In allen der Top 10 Produktgruppen, die Mediziner gern auf Grünen Rezepten empfehlen, war laut den Auswertungen des Marktanalyse-Unternehmens während der Pandemie ein Rückgang zu beobachten. Am stärksten betroffen sind mit einem Minus von 64 Prozent demnach Expectorantien (Auswurfmittel) ohne antiinfektive Komponente, gefolgt von minus 51 Prozent bei den Halsschmerzmitteln. Auch die topisch anzuwendenden Rhinologika (Schnupfenmittel) verzeichneten ein deutliches Minus von 41 Prozent, die Schmerzmittel lagen bei minus 37 Prozent. »Bei Erkältungs- und auch Schmerzmitteln spielt eine Rolle, dass eine größere Erkältungswelle im Herbst/Winter 2020/2021 ausgeblieben war«, heißt es. Außerdem hätten Masken, Abstandregeln sowie die verstärkte Handhygiene dazu beigetragen, Erkältungs- und Grippeviren in Schach zu halten.

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