| Theo Dingermann |
| 05.11.2026 09:20 Uhr |
Damit Deutschland seine wissenschaftlichen Stärken nutzen kann, schlägt die Akademie ein standortübergreifendes Deutsches Zentrum für RNA-basierte Therapien vor. Forschung, Kliniken, Unternehmen und Behörden sollen enger zusammenarbeiten. Benötigt würden verlässliche Mittel für Grundlagenforschung und frühe klinische Entwicklung, bessere Bedingungen für Ausgründungen sowie eigene Produktionskapazitäten und stabilere Lieferketten. Bei Ausgangssubstanzen bestehe eine hohe Abhängigkeit von wenigen ausländischen Anbietern. Künstliche Intelligenz könnte das Wirkstoffdesign und die Verringerung unerwünschter Effekte unterstützen. Dafür seien hochwertige, zugängliche Forschungsdaten nötig.
Die Bewährungsprobe liegt schließlich im Patientennutzen und im gerechten Zugang. Hohe Preise könnten das solidarische Gesundheitssystem belasten; Standardisierung und größere Produktionsmengen könnten Kosten senken. Menschen mit seltenen Erkrankungen dürften dabei nicht benachteiligt werden.
Die Leopoldina fordert eine frühe Beteiligung von Patientenorganisationen und transparente Kommunikation über Chancen und Grenzen. RNA-Medizin müsse zudem stärker in die Ausbildung von Medizinern und Pharmazeuten eingehen. Fachkundige Aufklärung soll helfen, berechtigte Hoffnungen von überzogenen Erwartungen zu unterscheiden.
Die Forderung der Leopoldina bekräftigt der Verband der forschenden Arzneimittelhersteller (vfa) in einer Pressemitteilung mit konkreten Zahlen. Nach Recherchen des vfa gibt es in Deutschland:
Es fehle dem Branchensegment nur noch an ökonomischer Reife in Deutschland, unterstreicht der Verband. Denn von den bislang 19 EU-zugelassenen Medikamenten auf RNA-Basis stammt erst ein einziges, der bekannte Coronaimpfstoff, aus deutscher Forschung. Andere Projekte hätten es erst bis maximal in die zweite klinische Erprobungsphase geschafft.