| Melanie Höhn |
| 21.05.2026 16:05 Uhr |
Ellen Haußdörfer, Staatssekretärin für Gesundheit und Pflege des Landes Berlin, betonte auf der Podiumsdiskussion, dass beim Thema Krisenresilienz die »Adlerweitsicht« fehle. Allein sechs verschiedene Reformen gebe es auf Bundesebene, die alle ineinandergreifen würden; doch alle Bestrebungen seien nicht so gut abgestimmt, wie sie sein könnten, so Hausdörfer.
Berlin habe sich jedoch »leider aus Erfahrung heraus« auf den Weg gemacht, Maßnahmen zu ergreifen. »Wir bereiten uns auf ganz große Krisen wie Pandemien, Bündnisfälle und den Ausfall von Lieferketten vor«, so Hausdörfer. Auch die Bundesländer würden sich intensiv mit dem Thema beschäftigen, auch auch was Mobilität und Erreichbarkeit betreffe. Die Länder als auch der stationäre und ambulante Bereich benötigten jedoch finanzielle Absicherung, damit Krisenvorsorge etabliert werden könne.
Der Berliner Senat habe de facto eine medizinische Bevölkerungsreserve, erklärte die Staatssekretärin. »Das ist so wie bei all diesen Dingen: Natürlich könnte man mit einer notwendigen Finanzierung noch viel mehr machen, aber wir haben unseren Schritt getan.« Seit Sommer 2023 gebe es eine AG zum zivilen Bevölkerungsschutz. Hausdörfer machte deutlich, dass es ein Gesundheitssicherstellungsgesetz des Bundes brauche, »um einen rechtlichen Rahmen zu geben, damit alle in herausfordernden Lagen das tun können, was sie tun müssen«.
Gerald Gaß, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Krankenhausgesellschaft, verdeutlichte, dass die Menschen in den Krankenhäusern bereit seien, sich einer Krise zu stellen und das zu tun, was in ihrer Macht steht. In einer Krise, die nicht mit Routinebetrieb vergleichbar sei, brauche es Menschen, die Verantwortung übernehmen und geübt seien, Entscheidungen zu treffen. »Das ist etwas, was man nicht unterschätzen darf«, so Gaß. Probleme müssten pragmatisch und mit gesundem Menschenverstand gelöst werden.
Weiterhin stellte er heraus, dass es Dinge gebe, die »außerhalb unserer Möglichkeiten« seien: »Das ist das Thema übergreifende Lagerhaltung, das ist die Frage, wo kommen denn Wirkstoffe für Arzneimittel her, wenn Lieferketten unterbrochen sind, wie gut stellen wir uns europaweit auch auf, was leisten wir uns an dieser Stelle auch, was Lieferketten angeht.«
Gaß erläuterte die Herausforderungen der Finanzierung in den Krankenhäusern. Es gebe kein Geld, was als »Verfügungsmasse« bereitstehe, denn die Finanzierung erfolge durch hart kalkulierte Patientenbehandlungen. Es werde versucht, Materialien so günstig wie möglich zu beschaffen, »aber wir haben auch nur eine begrenzte Lagerhaltungskapazizät und wenn uns diese Lieferketen ausfallen, stehen wir ziemlich blank da.«
Zudem betonte, dass darüber gesprochen werden müsse, wie es gelingen könne, in Europa wieder autarker zu sein. »Wir müssen uns Gedanken machen, wie wir europäisch selbst Verantwortung übernehmen.«
Gaß führte weiter aus: »Wenn die Vorbereitungen des Militärs und der zivilen Infrastruktur für die Situation einer möglichen militärischen Auseinandersetzung auf die Agenda gesetzt werden, dann muss die Politik die entsprechenden Maßnahmen hinter den Prioritäten auch umsetzen. Neben dem Gesundheitssicherstellungsgesetz und der Aufrüstung der Bundeswehr könne er nicht erkennen, dass etwas passiert.