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Klimaneutrale Pharmazie

Reicht es, vor der eigenen Tür zu kehren?

Wie man mit dem Klimaschutz in Apotheken anfangen kann, diskutierten die Delegierten am vergangenen Donnerstag beim Deutschen Apothekertag. Denn ein Schwerpunkt des diesjährigen DAT ist Nachhaltigkeit, den sich die Apothekerschaft selbst »auf die Fahnen geschrieben« hatte, wie die ABDA-Präsidentin Gabriele Regina Overwiening bei der Antragsberatung betonte.
Carolin Lang
Christina Hohmann-Jeddi
Daniela Hüttemann
16.09.2022  12:30 Uhr

Vor allem die Apothekerkammern Hamburg und Thüringen, aber unter anderem auch Kammer und Verband aus Baden-Württemberg sowie der ABDA-Vorstand selbst hatten zahlreiche Anträge zum Thema Klimaschutz und Nachhaltigkeit zum Deutschen Apothekertag in München eingereicht.

Die Antragsberatung startete mit einem Leitantrag, der unter anderem den Gesetzgeber dazu auffordert, »grundsätzlich in allen Gesetzgebungsverfahren des Bundes und der Länder im Gesundheitswesen, aber auch in allen anderen Bereichen, auf deren Klimaneutralität und Nachhaltigkeit zu prüfen«.

Was können Apotheken selbst für den Klimaschutz tun?

Ein »nicht erfüllbarer Auftrag«, wie es von einem Delegierten aus dem Plenum hieß. Auch die ABDA-Präsidentin Overwiening regte an, bevor man anderen Maßnahmen auferlege, sollten »wir als Apotheker und Apothekerinnen schauen, was wir tun können«. »Dann haben wir die Zielsetzung erreicht, die wir im letzten Jahr ins Auge gefasst hatten«, meinte sie.

»Es reicht nicht aus, vor der eigenen Tür zu kehren. Wir müssen andere auffordern, es uns gleich zu tun«, entgegnete eine Vertreterin der Apothekerkammer Hamburg. Einig wurde sich die Apothekerschaft letztlich nicht und verwies den Antrag an den Ausschuss.

Thema Klima in Ausbildung und Patientenberatung

Doch bestand Einigkeit darin, dass die Apothekerschaft sich als Teil des Gesundheitswesens dafür einsetzen soll, die Arbeit in den Apotheken klimafreundlich zu gestalten, die gesundheitlichen Folgen des Klimawandels adäquat in die Aus-, Fort-, und Weiterbildung der Apothekerberufe zu integrieren sowie Patienten darüber zu informieren, welche Auswirkungen der Klimawandel auf Gesundheit und Arzneimitteltherapie haben kann.

Darüber hinaus beschloss die Versammlung, die Berufsorganisationen sollen sich auf Bundes- und Landesebene dafür einsetzen, dass die Apotheker und sie selbst ihren Beitrag zum Klima- und somit Gesundheitsschutz leisten.

Pharmaziestudierende machen sich für Klimaschutz stark

Auch die Pharmaziestudierenden, vertreten durch Antonia Schmitz als Beauftragte für Public Health des Bundesverbands der Pharmaziestudierenden in Deutschland (BPhD), meldeten sich bei der Diskussion zu Wort. »Wir als Studierende und nächste Generation, die noch auf diesem Planeten leben möchte, begrüßen das Motto Klimawandel Pharmazie und Gesundheit der diesjährigen Hauptversammlung sehr«, sagte sie.

Die pharmazeutische Versorgung und der gesamte Gesundheitssektor seien mitverantwortlich für den Klimawandel. »Das muss uns und Ihnen bewusst sein und dafür müssen wir alle Verantwortung übernehmen«, appellierte sie.

Der Bundesverband hätte sich in den vergangenen Jahren durch Vorträge, Workshops und Arbeitsgruppen verstärkt mit der Klimakrise in Zusammenhang mit der Pharmazie beschäftigt. »Wir haben das Bewusstsein für die Thematik unter den Studierenden gestärkt und Maßnahmen eingeleitet, um unseren Beitrag zu Umwelt und Klimaschutz und damit auch Gesundheitsschutz zu leisten«, berichtete sie.

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