| Alexandra Amanatidou |
| 04.11.2026 17:00 Uhr |
Zwar gebe es in der öffentlichen Debatte Gruppen, die laut werden, sagte Ina Lucas mit Blick auf die Auseinandersetzung zwischen Apotheken und Arztpraxen beim Thema Impfen, doch die Gespräche würden sonst auf rationaler Ebene geführt. / © HB Health/Dietmar Gust
Bei der zweitägigen Veranstaltung »Health 2026«, die vom Handelsblatt in Berlin organisiert wurde, ging es unter anderem um das Thema »Krisenfeste Versorgung«. Die Politik müsse dabei die »echte Bevölkerungsrealität« im Blick haben und Apotheken mitdenken, so Lucas. Denn in den »Kiezen und Kommunen« würden Apotheken die Bevölkerung im Ernstfall nicht nur mit Medikamenten, sondern auch mit Informationen versorgen.
Mitte Oktober hat die Bundesapothekerkammer ein Strategiepapier zur Krisenvorsorge durch Apotheken beschlossen. Darin wird die Politik aufgefordert, Apotheken verbindlich als strategische Partner für die Resilienz der Gesundheitsversorgung einzubeziehen. »Ein Lager ist noch keine Versorgung«, mahnte Ina Lucas.
Der CDU-Bundestagsabgeordnete Sascha van Beek betonte, dass bei der Krisenbewältigung auch zentrale Strukturen wie Apotheken und Sanitätshäuser mitgedacht werden müssen. Sie müssten die Anlaufstellen für die Menschen vor Ort während einer Katastrophe sein.
Er betonte, dass das neue Gesundheitssicherstellungsgesetz (GeSiG) nicht alle Aspekte regele. »Jeder muss sich auf die Vorsorge vorbereiten«, so sein Fazit. Er plädierte für mehr »Awareness« für Krisensituationen im Tagesbetrieb des Gesundheitswesens. Dies habe laut Lucas der Stromausfall Anfang des Jahres in Teilen Westberlins geschaffen. So hätten Apotheken in Ostberlin sich daraufhin ebenfalls mehr mit Maßnahmen gegen eine Krisen- oder Katastrophenlage beschäftigt.
Auch eine intensivere Zusammenarbeit der Akteure im Gesundheitswesen wurde angesprochen. Zwar gebe es in der öffentlichen Debatte Gruppen, die laut werden, sagte Lucas mit Blick auf die Auseinandersetzung zwischen Apotheken und der Ärzteschaft beim Thema Impfen, doch die Gespräche würden ansonst auf rationaler Ebene geführt. Jeder habe eigene Interessen, dennoch müsse man mehr zusammenarbeiten.
Nach dem Panel hielt die amtierende Berliner Gesundheitssenatorin Ina Czyborra eine kurze Rede. Darin machte sie deutlich, dass zu sehr darüber diskutiert wird, wer impfen darf, statt darüber, wer impfen kann. »Wir müssen diese Logik vom Kopf auf die Füße stellen«, sagte die SPD-Politikerin und fügte hinzu: »Im Krisenfall kann ich nur Fähigkeiten mobilisieren, wenn ich sie davor geübt habe.« Apotheken könnten viel mehr leisten und das würden sie in einem Krisenfall auch machen müssen. »Das müssen sie aber davor bereits geübt haben.«