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Mangelnde Evidenz

Pneumologen vorerst gegen Budesonid bei Covid-19

Zudem seien die meisten Endpunkte eher subjektiver Art gewesen, zum Beispiel konnten die Patienten selbst entscheiden, ob und wann sie bei vermeintlicher Verschlimmerung einen Arzt aufsuchen . Als primärer Endpunkt war definiert, ob sich die Arztkontakte reduzieren lassen – dabei zählte aber jeder Arztkontakt, zum Beispiel auch aufgrund anderer Probleme. In der Budesonid-Gruppe entwickelten zwar weniger Patienten Atemprobleme, doch ließ sich objektiv kein Unterschied bei der Sauerstoffsättigung feststellen. Auch sei die Viruslast in beiden Gruppen vergleichbar gewesen. Eine weitere gravierende Einschränkung der Ergebnisse war, dass Budesonid hier mit zweimal täglich 800 µg sehr hoch dosiert wurde – »so hoch, wie wir es normalerweise nur bei sehr schwerem Asthma dosieren«, so Idzko, was eher selten vorkomme.

»Dass Budesonid vor Covid-19 oder einem schweren Verlauf schützt, ist eine schöne Hypothese, doch leider war es ein schlechtes Studiendesign. Es ist unseriös, daraus eine Therapieempfehlung abzuleiten«, so der Leiter der Klinischen Abteilung Pulmologie an der Universitätsklinik für Innere Medizin II in Wien, zur STOIC-Studie. »Wir brauchen größere, placebokontrollierte und verblindete Studien dazu, nicht nur für Budesonid, sondern auch für die anderen ICS sowie für verschiedene Dosierungen.« Astra-Zeneca, einer der Haupthersteller von Budesonid, habe bereits viele Anfragen für Studien vorliegen und es seien bereits weitere in Planung. 

Studienlage noch viel zu dürftig für breite Empfehlung

Eine weitere große Studie gibt es bereits, die PRINCIPLE-Studie (siehe Kasten). In einer aktuellen Stellungnahme der DGP, ÖGP und der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (DGAKI) heißt es jedoch: »Weder die STOIC-Studie noch die PRINCIPLE-Studie haben gezeigt, dass durch diese Therapie schwere Covid-19-Verläufe oder Todesfälle verhindert werden können.« 

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