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Arzneimittelbewertung

Phytos als Option bei Frauenleiden

Für typische Frauenbeschwerden hat die Pflanzenheilkunde einiges zu bieten. Warum es wichtig ist, dabei auf gut geprüfte Extrakte zu setzen, erklärt Professor Dr. Robert Fürst vom Institut für Pharmazeutische Biologie in Frankfurt.
Elke Wolf
25.07.2022  11:00 Uhr

»Mit Mönchspfeffer und Traubensilberkerze stehen zwei sehr gut untersuchte Arzneipflanzen zur Verfügung, die die Therapie von Frauenleiden wie das Prämenstruelle Syndrom und Wechseljahresbeschwerden bereichern«, informiert Fürst im Gespräch mit der Pharmazeutischen Zeitung. Die Therapie mit pflanzlichen Arzneimitteln hat vor allem dann ihren Platz, wenn die Beschwerden milde ausgeprägt sind oder wenn eine Hormongabe während den Wechseljahren nicht gewünscht wird. Zudem stehen viele Frauen pflanzlichen Arzneimitteln im Vergleich zur Hormonbehandlung positiv gegenüber, sodass es sich lohnen kann, eine pflanzliche Therapie eine Zeit lang auszuprobieren. »Allerdings ist es wichtig, in der Apotheke gut geprüfte Extrakte zu empfehlen«, rät der Phytopharmaka-Experte.

Diese Aussage hat vor allem – ganz aktuell – bezüglich Präparaten mit Trockenextrakten aus den Früchten des Mönchspfeffers Vitex agnus-castus seine Relevanz. Diese werden gegen Beschwerden des Prämenstruellen Syndroms (PMS) und Zyklusunregelmäßigkeiten eingesetzt. »Der Extrakt, der sich in Studien besonders effektiv zeigte, stammt ursprünglich aus der Schweiz. Dabei wurden Tagesdosierungen von 20 mg Trockenextrakt verwendet. Aufgrund der guten Studienlage haben die Autoren der HMPC-Monographien der europäischen Arzneimittelagentur EMA diesem Extrakt den Status well-established use verliehen«, macht Fürst auf die Studienlage aufmerksam. Das Präparat, das den genannten Extrakt enthält, ist Prefemin®, ein nur in der Schweiz und anderen europäischen Ländern verfügbare Zubereitung. In Deutschland ist es nicht erhältlich.

Seit Anfang Juni ist nun auch in Deutschland ein Mönchspfeffer-Präparat mit einer Extrakt-Tagesmenge von 20 Milligramm erhältlich (Agnucaston® 20 mg). Damit ist es fünffach höher konzentriert als alle bisher in Deutschland erhältlichen Präparate und »passt damit genau in die Well-Established-Use-Monographie hinein«. Agnolyt®, Femicur®, Agnus sanol® oder das ursprüngliche Agnucaston® enthalten zwar ähnliche Trockenextrakte (zum Beispiel mit einem DEV von 7-13:1, Ethanol 60 Prozent oder DEV 7-11:1, Ethanol 70 Prozent), allerdings weiterhin eine niedrigere Extrakt-Tagesmenge von 4 Milligramm. Wegen der schwächeren Studienlage rechnet sie die EMA dem traditional use zu. »Das heißt nicht, dass diese Präparate nicht wirken, aber Extrakte entsprechend der Well-established-use-Monographie mit einer höheren Tagesdosis wären meiner Meinung nach wünschenswert. Dass die Hersteller hier jetzt nachziehen, kann ich nur begrüßen«, meint Fürst.

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