Keine Lebensverlängerung, aber eine mögliche Verbesserung der Lebensqualität attestiert die Leitlinie der Misteltherapie bei Krebs. / © PhotoAlto/Laurence Mouton
»Nicht ganz so einfach« ließen sich die Effekte von Mistelextrakten beurteilen, so Rostock weiter. Fünf große Reviews hätten heterogene Ergebnisse gehabt. Insgesamt konnten laut Leitlinie keine lebensverlängernden Effekte beobachtet werden. Zur Verbesserung der Lebensqualität könne eine subkutane Gabe bei Patienten mit soliden Tumoren allerdings erwogen werden.
Rostock wies auf zwei sich deutlich widersprechende Studien mit Patienten mit weit fortgeschrittenem Pankreaskarzinom hin. »Nicht alle Patientengruppen profitierten gleichermaßen.« Bei Patienten, die zusätzlich zu bereits ergriffenen Maßnahmen wie gesunder Ernährung, Bewegung und Entspannung etwas für sich tun wollen, passiere unter einer Therapie mit Mistelextrakten sehr viel mehr als bei Patienten, die resigniert hätten.
Auch Fatigue gehört zu den belastenden Symptomen. Während man früher davon ausging, dass sie vor allem durch eine Chemotherapie verursacht wird, sieht man heute die Krebserkrankung selbst als zentrale Ursache. Insbesondere Sport und Bewegung – vor allem im Freien –, aber auch Yoga oder Achtsamkeitsübungen und Meditation werden empfohlen und sind nachweislich wirksam. Allerdings stellten Sport und Bewegung für manche Patienten eine kräftezehrende Herausforderung dar und sie fühlten sich anschließend erschöpfter als zuvor.
»Diesen Patienten kann möglicherweise Ginseng helfen«, erläuterte Rostock. Laut Leitlinie wurden die meisten Studien mit asiatischem oder koreanischem Ginseng (Panax ginseng) durchgeführt. Weniger bekannt und untersucht ist der amerikanische Ginseng (Panax quinquefolius). Auch in Studien zu Ginseng und Fatigue sind die Ergebnisse nicht einheitlich. Mit Dosierungen ab 2000 mg täglich und einer Einnahmedauer von vier bis acht Wochen hätten sich jedoch teils signifikante Verbesserungen erreichen lassen, so Rostock.
Eine Wirksamkeit bei der Verminderung zerebraler Ödeme bei Patienten mit Hirntumoren zeigte Weihrauch (Boswellia serrata) in einer RCT, sodass eine ergänzende Anwendung zusätzlich zur leitliniengerechten antiödematösen Therapie erwogen werden kann. Eingesetzt wurden dabei 4200 mg Trockenextrakt in Form von Kapseln, die Placebogruppe erhielt Lactose-Kapseln. Neben einer Verminderung des Hirnödem-Volumens ergaben sich in der Verumgruppe auch Hinweise auf eine stärkere Reduktion des Tumorvolumens als in der Placebogruppe. Weitere Studien sind erforderlich. Ein Weg könne möglicherweise sein, Weihrauch langfristig zu geben, während Dexamethason kurzfristig zum Einsatz kommen könne, sagte Rostock.