Die Scharfstoffe in Ingwer wirken antiemetisch und propulsiv. / © Adobe Stock/Pixel-Shot
Übelkeit und Erbrechen während einer Chemotherapie oder Bestrahlung sind bereits als solche belastend und können darüber hinaus eine bedarfsdeckende Ernährung, die für Patienten mit einer Krebserkrankung besonders wichtig ist, erheblich erschweren. Laut Leitlinie kann Ingwerwurzel zusätzlich zur leitliniengerechten Antiemese angewendet werden. Sie soll dann in Form von Extrakten (etwa als Pulver) statt als Tee eingesetzt werden.
Insbesondere die enthaltenen Scharfstoffe wirken sowohl zentral am Brechzentrum antiemetisch als auch im Magen-Darm-Trakt propulsiv. Damit unterscheidet sich Ingwer von der bei Magen-Darm-Beschwerden ebenfalls häufig eingesetzten Pfefferminze. Die beiden Arzneipflanzen sollten je nach Beschwerdebild zum Einsatz kommen. Rostock: »Wenn man mit dem Stethoskop keine Bauchgeräusche mehr wahrnimmt, macht Pfefferminze häufig alles nur noch schlimmer.« Übelkeit und Aufstoßen nähmen dann meist eher noch zu. Diese Patienten profitierten aufgrund der prokinetischen Wirkung eher von Ingwer. Liege hingegen eine eher spastische Situation vor, bringe Pfefferminze Linderung.
Die Wirksamkeit von Cannabinoiden – Tetrahydrocannabinol (THC) und Cannabidiol (CBD) – wurde einzeln oder in Kombination für verschiedene Einsatzbereiche untersucht. In vielen Fällen resultierte daraus keine Empfehlung. Zwei Empfehlungen gibt die Leitlinie jedoch: die ergänzende kombinierte Einnahme von THC und CBD, wenn eine Opioidtherapie Schmerzen nur unzureichend lindert, und bei Patienten mit nicht ausreichender Wirksamkeit der leitliniengerechten Antiemese bei Übelkeit/Erbrechen im Rahmen einer Chemotherapie.
Im kommenden Jahr findet der Phytotherapiekongress vom 16. bis 18. September 2027 in Frankfurt am Main, Campus Riedberg, statt. Infos auf www.phytotherapie.de.