Die Wirkung setzt nicht von heute auf morgen ein, sondern ist erst nach einigen Wochen zu erwarten. Außerdem sollte die Einnahme durchgängig über den ganzen Zyklus erfolgen. »Diese Phytopharmaka wirken nicht akut wie eine Kopfschmerztablette, die Harmonisierung des Zyklus braucht Zeit. Die Hormonspiegel pendeln sich erst nach und nach ins Gleichgewicht ein. Das macht eine längerfristige Anwendung erforderlich«, informiert der Apotheker.
»Sowohl Mönchspfeffer-Extrakte bei PMS als auch solche aus Cimicifuga oder Rhapontikrhabarber bei klimakterischen Beschwerden sind für die Selbstmedikation immer erste Wahl und sehr gut für den Einstieg geeignet.« Es könne auch sein, dass Pflanzenextrakte gerade zu Anfang des Klimakteriums, also der Perimenopause, die Symptome gut kupieren, aber sie dann, wenn der Estrogenmangel deutlicher wird, nicht mehr ausreichen. In jedem Falle stünden viele Frauen pflanzlichen Arzneimitteln im Vergleich zur Hormonsubstitution positiv gegenüber, sodass es sich lohnen kann, eine pflanzliche Therapie eine Zeit lang auszuprobieren.
Zu den am besten untersuchten pflanzlichen Zubereitungen gegen klimakterische Beschwerden gehören Extrakte aus dem Wurzelstock der Traubensilberkerze (Actaea racemosa, früher Cimicifuga racemosa). Mehrere randomisierte, placebokontrollierte Doppelblindstudien mit unterschiedlichen Spezialextrakten belegen eine signifikante Reduktion vasomotorischer Beschwerden über mindestens zwölf Wochen sowie eine gute Verträglichkeit über mindestens ein Jahr. Das Hauptsymptom Hitzewallungen ging bei bis zu 80 Prozent der Frauen zurück.
»Aufgrund der positiven Studienlage haben verschiedene Cimicifuga-Trockenextrakte von der EMA den well-established use für die Behandlung von Wechseljahresbeschwerden zuerkannt bekommen«, erläutert Fürst. Das gilt etwa für Klimadynon®, Remifemin®, Femikliman® uno oder Kofemin® Klimakterium. Dass die evidenzbasierten Phytopharmaka wirkungsvoll gegen leichtere Hitzewallungen, Schlafstörungen und Stimmungsschwankungen eingesetzt werden können, bestätigt auch die S3-Leitlinie »Peri- und Postmenopause – Diagnostik und Interventionen« der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe. »Stehen depressive Verstimmungen im Vordergrund, ist eine Kombination mit dem Trockenextrakt aus Johanniskraut angezeigt.« Die Wirksamkeit von Remifemin® plus gelte als gut belegt.
Welche Inhaltsstoffe der Traubensilberkerze für die Wirkung verantwortlich sind und wie diese molekular vermittelt wird, ist indes nicht geklärt. »Sicher ist man sich heute nur bei dem, was nicht wirkt. Definitiv widerlegt ist die frühere Annahme, dass enthaltene Isoflavone über eine Bindung an Estrogenrezeptoren wirken. Cimicifuga-Wurzelstock enthält keine Isoflavone«, erläuterte Fürst. Cimicifuga-Extrakte sind deshalb nicht als Phytoestrogene oder Phyto-SERMs, also pflanzliche selektive Estrogenrezeptor-Modulatoren, zu bezeichnen.