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Krätze-Behandlung

Permethrin als erste Wahl

Skabies (Krätze) ist weiterhin ein Tabuthema. Dabei ist die ansteckende Krankheit lokal effektiv behandelbar – wenn man es richtig macht. Dabei dürfen Kontaktpersonen und kleine Kinder als Infektionsquelle nicht vergessen werden.
Brigitte M. Gensthaler
15.04.2021  18:00 Uhr

Die Kontaktbeschränkungen in der Corona-Pandemie scheinen die Häufigkeit der Krätze zurückgedrängt zu haben – allerdings nur kurzfristig. »Es gibt keine harten Daten, da die Skabies nicht meldepflichtig ist, aber es gibt Indizien, die für eine Zunahme dieser Hauterkrankung in Deutschland sprechen«, berichtete Professor Dr. Cord Sunderkötter, Direktor der Universitätsklinik für Dermatologie und Venerologie Halle, am Mittwoch bei einer Pressekonferenz der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft (DDG). Eine Meldepflicht besteht nur, wenn sich die Krätzmilbe in Gemeinschaftseinrichtungen wie Altersheimen, Kindergärten oder Wohnheimen für Asylsuchende ausbreitet.

Die Ansteckung mit der Krätzmilbe (Sarcoptes scabiei variatio hominis) erfolgt bei direktem längeren Hautkontakt wie beim Kuscheln oder bei Intimkontakten. Daher gehört Skabies auch zu den sexuell übertragbaren Infektionen (STI). Die hoch ansteckende Hautkrankheit betreffe aber alle Altersgruppen, betonte der Dermatologe. »Kinder sind eine Hauptansteckungsquelle, vor allem wegen enger Hautkontakte und unzureichender Therapie.«

Die Krätzmilbe kann sich nur in menschlicher Haut vermehren; ein Reservoir im eigentlichen Sinn gibt es nicht, heißt es auch im RKI-Ratgeber Skabies. Man kann sich auch nicht an Tieren anstecken. Kennzeichnend sind Milbengänge in den obersten Hautschichten, Hautausschlag und starker, häufig nächtlicher Juckreiz. Die Sonderform der Borkenkrätze (Scabies crustosa) kommt überwiegend bei immunsupprimierten, schwerkranken oder behinderten Menschen vor und zeigt Hyperkeratosen, oft mit bakterieller Superinfektion.

Lokaltherapie gut wirksam, aber fehleranfällig

Ist ein Befall diagnostiziert, ist rasches Handeln wichtig. »Die Behandlung der Wahl ist die Lokaltherapie mit Permethrin, um die Milben, ihre Larven und Eier abzutöten«, sagte Sunderkötter. Anders als in der Fachinformation oder der S1-Leitlinie der DDG (Dezember 2020 abgelaufen)  genannt, empfehle er immer eine Wiederholungsbehandlung.

Das Pyrethroid Permethrin in 5-prozentiger Konzentration in Cremes ist ab dem dritten Lebensmonat zur Krätzebehandlung zugelassen. Die Creme muss acht bis zwölf Stunden, am besten über Nacht einwirken und wird auf die trockene Haut aufgetragen. Wird die Haut, zum Beispiel der Hände, während der Einwirkzeit gewaschen, muss man sie anschließend erneut eincremen. Um eine Reinfektion und weitere Verbreitung zu vermeiden, müssen alle wichtigen Kontaktpersonen mitbehandelt werden.

Die topische Behandlung sei fehleranfällig, warnte Sunderkötter. So sei die Einwirkzeit manchmal zu kurz, Hautbereiche würden ausgespart oder die Fingernägel nicht gekürzt. Vor allem Kinder würden häufiger unzureichend behandelt.

Die Vermutung, dass Skabiesmilben resistent gegen Permethrin geworden sind, ist laut Sunderkötter bislang nicht direkt belegt. »Es gibt aber zunehmend gut dokumentierte, publizierte Fälle zu unzureichender Wirksamkeit von Permethrin. Eine nachlassende Empfindlichkeit würde Anwendungsfehler noch schlechter verzeihen.«

Als topische Antiskabiosa stehen neben Permethrin auch Benzylbenzoat Emulsion 25 Prozent (für Kinder 10 Prozent) und Crotamiton 10 Prozent (Lösung, Creme, Salbe) oder 5 Prozent (Gel) zur Verfügung.

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