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PZ-Talk »Alex’ Doppelte Dosis«
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Paul Ronzheimer ist Fan der Dorfapotheke

»Alex’ Doppelte Dosis« Teil drei: Im Berliner Haus Ungarn sprachen PZ-Chefredakteur Alexander Müller und der Journalist Paul Ronzheimer über Vertrauen und die Frage, was Daseinsvorsorge ausmacht. Um frühe Maulwurfskandale beim Fußball ging es auch.
AutorKontaktCornelia Dölger
Datum 21.05.2026  12:30 Uhr

Was man über die Ministerin hört

Die Unzufriedenheit mit der Bundesregierung dürfte ein ähnlicher Aufreger sein, angestachelt noch vom Dauerstreit in der Koalition, die angesichts des Reformdrucks bei zentralen Themen überkreuz liegt – aber gleichzeitig keine Alternativen hat, wie Ronzheimer einschätzte.

Über Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) höre er inzwischen mehr Gutes als zu ihrem Amtsantritt vor einem Jahr. »Nina – wer?«, den Ruf habe die Ministerin, die fachfremd und in der Bundespolitik wenig bekannt den Posten übernommen hatte, inzwischen überwunden. Immerhin, so Ronzheimer, sei sie die einzige Ressortchefin, die Reformen vorgelegt habe und nicht bloß vollmundig ankündige. 

Ob die »Bild«-Zeitung Apotheken möge, fragte Müller den stellvertretenden Chefredakteur des Springer-Blatts. »Ja klar.« Man möge dort alle Menschen. Und in Apotheken würden die Menschen ja auch über Boulevardthemen reden …

Aber Apothekenthemen in den Medien? Journalist Ronzheimer riet dazu, die Apothekendinge etwa bei Verlagskongressen zu Fachthemen zu platzieren. Öffentlichkeit sei wichtig, auch auf Plattformen, in Talkshows. Der Branche ein Gesicht zu geben, sei wichtig.

Maulwurfskandale bei den Emdener Kickers

»Alex’ Doppelte Dosis« fragt auch nach Persönlichem. Bei Ronzheimer nach Berufsalternativen – die es ihm zufolge eigentlich nicht gibt. Möglicherweise würde es ihm Spaß machen, für eine NGO zu arbeiten, ehrlicherweise habe er aber immer Journalist werden wollen, schon seit er mit 15 die Schule schwänzte und Geschichten für die Lokalzeitung schrieb.

Schwärmen könne er auch für den Fußball, sagte Ronzheimer. Der einstige Sportreporter berichtete bei »ADD« über Trainer mit Wutanfällen und frühe Maulwurfskandale bei den Kickers Emden

Was ihm für Deutschland Hoffnung mache, fragte Müller. »Junge Menschen, die innovativ sind, etwas erfinden, fleißig sind«, antwortete Ronzheimer. Die Menschen in Deutschland machten sich und das Land oft schlechter als nötig – in eine Dauerdepression zu versinken, nütze aber keinem etwas.  

Dem stimmte ABDA-Vizepräsidentin Ina Lucas zu. Sie und Noventi-CEO Mark Böhm gesellten sich zu einer Art doppelten Doppeldosis zu Müller und Ronzheimer auf die Bühne. Angesichts der politisch spannenden Woche – am Freitag soll das Apothekenversorgung-Weiterentwicklungsgesetz (ApoVWG) im Bundestag beschlossen werden – betonte Lucas, dass sich den Apotheken mit den Reformen  viele Chancen böten, sich als »zentrale Gesundheitsversorgungskompetenz« zu etablieren. Depressiv auf Mängel zu schauen, bringe das Apothekenwesen nicht voran.

Böhm pflichtete ihr bei, betonte aber auch, dass die Politik stärker dafür kämpfen müsse, dass die funktionierenden Versorgungsstrukturen nicht wegbrächen – Versender würden allzu leichtfertig als Lückenfüller dargestellt.  Bei der Daseinsvorsorge gehe es auch um Vertrauen, das sei das Kernthema für Apotheken, so Böhm

Ronzheimer verwies wieder auf das Land  – gerade abseits von großen Städten sei die Apotheke »ein Raum, der Vertrauen gibt«. Die Menschen hätten ein zunehmendes Bedürfnis nach Zuverlässigkeit und persönlicher Ansprache. 

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