| Cornelia Dölger |
| 21.05.2026 12:30 Uhr |
Wie denkt man über Daseinsvorsorge, wenn man oft in Krisengebieten unterwegs ist? Darüber sprach PZ-Chefredakteur Alexander Müller (r.) mit dem Journalisten Paul Ronzheimer in Berlin. / © Phil Dera Photography
Paul Ronzheimer ist Journalist, Podcaster, Moderator und stellvertretender Chefredakteur der »Bild«-Zeitung – und er stammt aus dem ostfriesischen Aurich, ist Land und Weite gewohnt. Damit verbindet er auch die Vertrautheit von kleinen Apotheken, die man von Kindesbeinen an kennt. »So bin ich aufgewachsen«, erzählte er im PZ-Talkformat »Alex’ Doppelte Dosis« in Berlin. Wann er zuletzt in Berlin in einer Apotheke war, konnte er nicht sagen – er erinnerte sich aber daran, dass er vor sechs Monaten in der ukrainischen Hauptstadt Kiew eine Offizin besucht hat. »Da funktioniert ja vieles überraschend gut«, berichtete der Reporter, trotz Angriffen und Alarm.
Wenn man wie Ronzheimer als »Bild«-Chefreporter oft in Kriegs- und Krisengebieten unterwegs ist, wie denkt man dann über Daseinsvorsorge? Indem man auf die Menschen blickt, die geblieben sind, so Ronzheimer im Gespräch. Die dritte Ausgabe des PZ-Talks fand im Rahmen des AByou Future.Lab statt.
Viele hätten die Ukraine nach dem russischen Überfall im Februar 2022 verlassen, so Ronzheimer weiter. Ärzte und Apotheken aber seien geblieben, die Teams hätten sich um die Soldaten gekümmert. »Menschen, die alles dafür getan haben, dass das System nicht zusammenbricht.«
Eher unter dem Radar ist das Thema hierzulande – Gesundheit und Versorgung kommen durch die aktuellen Reformen zwar aufs Tableau, spielen in der täglichen Berichterstattung ansonsten aber eine untergeordnete Rolle. Die Menschen berühren sie aber durchaus; bei Gesundheitsthemen etwa in seinem Podcast explodiere der Kommentarbereich förmlich, »das ist so ähnlich wie bei Atomkraft«, so Ronzheimer.
Das Thema aber bei Markus Lanz – eher unwahrscheinlich, zumal es laut Ronzheimer nicht einfach ist, Gesundheit »ohne Lobbybrille« für ein breites Publikum herunterzubrechen. Er werde Lanz aber einmal darauf ansprechen, versprach er. Möglicherweise seien die GKV-Sparpläne ja auch schon als Thema gesetzt.
Ein echtes Wutthema sei Gesundheitsversorgung aber nicht, fand Ronzheimer, der in seinem Sat1-Format »Wie geht’s, Deutschland?« Menschen befragt, die sich abgehängt fühlen. Wirtschaft, soziale Gerechtigkeit, Migration trieben die Menschen stärker um.