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Parkinson und Corona

Parallelen zur Spanischen Grippe erkennbar

Die Deutsche Parkinson Vereinigung warnt vor einer Welle neurodegenerativer Erkrankungen, die als Langzeit-Folgen von Covid-19-Infektionen in den kommenden Jahren anrollen könnte. Es seien eindeutig Parallelen zur Spanischen Grippe erkennbar. Ein Grund mehr, die Suche nach Kausaltherapien für Parkinson-Patienten weiter voranzutreiben – genügend vielversprechende Ansätze gibt es.
Christiane Berg
09.04.2021  15:30 Uhr

Auch im Rahmen der damaligen, zwischen 1918 und 1927 auftretenden Influenza-Pandemie sei es nicht nur zu schweren Lungenentzündungen, sondern verstärkt auch zu diversen neurologischen Erkrankungen unter Beteiligung des Gehirns und der Gehirnhäute und hier auch zu postenzephalitischen Parkinson-Syndromen gekommen. Das konstatiert der Geschäftsführer der Deutschen Parkinson-Vereinigung Friedrich Wilhelm Mehrhoff in einer Mitteilung anlässlich des Welt-Parkinson-Tags am 11. April.

Rund hundert Jahre später könnten sich die Geschehnisse wiederholen. Dringender denn je seien daher breite Forschungsaktivitäten vonnöten, die nicht nur – wie derzeit praktiziert – auf eine Therapie der Symptome, sondern auf Heilung der Erkrankung abzielen. »Es fehlt an stringenter Förderung und Strukturierung der bisherigen wissenschaftlichen Anstrengungen. Wir treten seit Jahren auf der Stelle«, hatte auch der Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Parkinson und Bewegungsstörungen Professor Dr. Günter Höglinger bei einer virtuellen Pressekonferenz vor einem Monat kritisiert. Dies sei besonders fatal, da nicht nur neue molekulare Methoden zur objektiven Diagnostik von Parkinson-Syndromen, sondern auch zahlreiche bereits identifizierte potenzielle Therapieansätze auf molekularer Ebene nur darauf warten, weiter verfolgt zu werden.

Vielfältige Therapieansätze gegen Parkinson in der Pipeline

So seien vor circa drei Jahren spezifische Antisense-Oligonukleotide als kausale Therapieoption bei Chorea Huntington identifiziert worden. Werde diese Option als möglicher Ansatz für die ursächliche Behandlung auch von Morbus Parkinson diskutiert, so müssten entsprechende klinische Studien dringend vorangetrieben werden. Antisense steht für »entgegen dem ursprünglichen Sinn«. Diese Substanzgruppe unterdrückt die Produktion fehlgefalteter Eiweiße auf der Basis defekter Gene.

Als weitere Beispiele potenzieller molekularer Therapieoptionen, die eine Weiterentwicklung rechtfertigen, nannte Höglinger monoklonale Antikörper (Prasinezumab et cetera) unter anderem gegen α-Synuclein-Aggregate oder pathologische tau-Proteine, dessen Ablagerungen in den Lewy-Körperchen beziehungsweise in spezifischen Hirnregionen als Ursache von Morbus Parkinson diskutiert werden.

Als Risikofaktor für die Entstehung der Parkinson-Krankheit gelten unter anderem Mutationen im Gen des lysosomalen Enzyms Glukocerebrosidase (GBA), die zur Anreicherung von α-Synuclein im Gehirn beitragen. Bereits vor Jahren haben erste In-vitro- und In-vivo-Studien gezeigt, dass Ambroxol die Glucocerebrosidase-Aktivität erhöhen und somit α-Synuclein-Spiegel reduzieren kann. Angenommen wird, dass das Sekretolytikum die GBA-Aktivität steigert, indem es den Transport veränderter GBA-Moleküle in den Lysosomen erleichtert. Eine kleine, wenn auch aussagekräftige und zu Beginn 2020 in der Fachzeitschrift »JAMA Neurology« publizierte Studie habe bestätigt, dass Ambroxol als molekulares Chaperon fungieren kann, unterstrich Professor Dr. Christiane Klein, Lübeck. Auch sie forderte, klinische Studien entsprechend zu forcieren.

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