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Neues Impfstoff-Prinzip zum Schutz vor Covid-19

Dann entdeckten sie einen Weg, das Protein in der Präfusionsform zu halten. Alles, was sie tun mussten, war, zwei der mehr als 1000 Bausteine des Proteins durch die Aminosäure Prolin zu ersetzen. Diese beiden Aminosäure-Substitutionen liegen an den Positionen 986 und 987. Es resultierten die Mutationen K986P und V987P, die bei allen derzeit verfügbaren Impfstoffen und fortgeschrittenen Impfstoffkandidaten vorhanden sind. 

Nachdem McLellan und seine Kollegen das 2P-Spike-Antigen bekannt gemacht hatten, fragten er und seine Kollegen sich, ob man das Antigen nicht noch weiter verbessern könne. Wenn das Einsetzen von nur zwei Prolinen einen Impfstoff verbessert, könnten zusätzliche Änderungen ihn sicherlich noch weiter verbessern?

Im März des vergangenen Jahres begann er zusammen mit Dr. Ilya Finkelstein und Dr. Jennifer Maynard, beides Biologen der Universität von Texas, zusammenzuarbeiten, um dieses Problem zu lösen. In den drei Labors entstanden um die 100 neue Spike-Proteinvarianten, die verschiedene Aminosäure-Austausche enthielten. Schließlich entschied man sich für eine Variante, die vier zusätzliche Proline an bestimmten Stellen des Proteins enthielt. McLellan nannte diese neue Spike-Variante »HexaPro«, was andeutet, dass insgesamt sechs Aminosäurepositionen in ein Prolin umgewandelt waren.

Die Struktur dieser HexaPro-Variante war deutlich stabiler als die 2P-Variante und konnte Wärme und schädlichen Chemikalien besser widerstehen. McLellan hoffte, dass seine robuste Konstruktion einen Impfstoff auch wirksamer machen würde.

Patentnutzung steht ärmeren Ländern frei zur Verfügung

Da sich überraschenderweise keiner für das inzwischen erteilte Patent interessierte, beschlossen die Wissenschaftler, einen sehr ausgefallenen Weg zu gehen. Die Universität von Texas als Halter des Patents formulierte eine Lizenzvereinbarung für HexaPro, die es Unternehmen und Laboratorien in 80 Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen erlaubte, das Protein in ihrer Impfstoffentwicklung zu verwenden, ohne Lizenzgebühren zahlen zu müssen.

Da fügte es sich gut, dass Wissenschaftler um Dr. Bruce Innis des PATH-Programms am Center for Vaccine Innovation and Access nach einer Möglichkeit suchten, die Produktion von Covid-19-Impfstoffen zu erhöhen. Sie suchten nach einem Impfstoff, den auch weniger wohlhabende Länder selbst herstellen könnten.

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