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Psoriasis

Neuer Antikörper übertrumpft Ustekinumab

Die Palette der Psoriasis-Antikörper könnte bald einen Neuzugang verzeichnen. Der sich in der Entwicklung befindende Kandidat Bimekizumab war in einer Studie Ustekinumab überlegen. Die Zulassung bei der Europäischen Arzneimittelagentur EMA ist beantragt.
Kerstin A. Gräfe
15.03.2021  09:00 Uhr

Psoriasis ist eine häufige, chronisch entzündliche Erkrankung mit primärer Beteiligung der Haut. Als wichtige Zytokine, die die Entzündungsprozesse steuern, konnten Interleukin 12, Interleukin 17A und Interleukin 23 identifiziert werden. Zahlreiche Inhibitoren dieser Zytokine sind bereits auf dem Markt. Dazu zählen zum Beispiel die IL-23-Inhibitoren Guselkumab (Tremfya®), Tildrakizumab (Ilumetri®) und Risankizumab (Skyrizi®) sowie die IL-17A-Inhibitoren Secukinumab (Cosentyx®) und Ixekizumab (Taltz®) sowie der IL12/IL23-Hemmer Ustekinumab (Stelara®).Der IgG1-Antikörper Bimekizumab könnte die Palette demnächst erweitern.

Bimekizumab inhibiert selektiv Interleukin IL-17A und IL-17F. Die zusätzliche Inhibition von IL-17F soll laut Hersteller UCB Entzündungsprozesse in einem größeren Ausmaß unterdrücken als die alleinige IL-17A-Inhibition. Im Fachmagazin »The Lancet« erschienen jetzt die Ergebnisse der Phase-III-Studie BE VIVID. Teilnehmer waren 567 Patienten mit moderater bis schwerer Psoriasis teil. Die Studiendauer betrug 52 Wochen. Die Probanden erhielten randomisiert im Verhältnis 4:2:1 entweder Bimekizumab (320 mg alle vier Wochen), Ustekinumab (45 mg oder 90 mg in Woche 0/4 und danach alle zwölf Wochen) oder Placebo (diese Patienten wechselten nach 16 Wochen in die Bimekizumab-Gruppe). Koprimäre Endpunkte waren nach 16 Wochen Behandlung der Anteil der Patienten mit 90-prozentiger Verbesserung der Symptome (PASI90) und derjenigen, die nach Einschätzung eines Prüfarztes eine vollständige oder fast vollständige Abheilung der Haut zeigten (IGA-Wert 0 oder 1).

Unter Bimekizumab erreichten 85 Prozent der Patienten eine 90-prozentige Verbesserung ihrer Erkrankung (PASI 90). In der Ustekinumab-Gruppe waren es 50 Prozent (Placebo 5 Prozent). Auch hinsichtlich des zweiten primären Endpunkts zeigten sich hoch signifikante Unterschiede: In der Bimekizumab-Gruppe erzielten 84 Prozent ein IGA von 0, in der Ustekinumab-Gruppe waren es 53 Prozent Patienten.

Die Therapien waren vergleichbar gut verträglich. Schwerwiegende unerwünschte Ereignisse wurden bei 6 Prozent in der Bimekizumab-Gruppe und bei 8 Prozent in der Ustekinumab-Gruppe beobachtet. Häufigste unerwünschte Ereignisse waren Nasopharyngitis, orale Candidiasis und Infektionen der oberen Atemwege. Die Mehrzahl der unerwünschten Ereignisse war von leichter bis moderater Intensität und die meisten Patienten (94,7 Prozent) setzten die Behandlung unverändert fort.

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