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Spinale Muskelatrophie
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Neue Gentherapie vor der Zulassung

Der Ausschuss für Humanarzneimittel der Europäischen Arzneimittelbehörde EMA hat sich für die Zulassung des Präparats Itvisma® bei spinaler Muskelatrophie ausgesprochen. Vieles erinnert bei dem Gentherapeutikum an Zolgensma™, es gibt aber auch Unterschiede.
AutorKontaktSven Siebenand
Datum 27.04.2026  16:00 Uhr

Die spinale Muskelatrophie (SMA) ist eine neuromuskuläre Erkrankung, die durch das Fehlen eines funktionalen Survival-Motor-Neuron-1-Gens (SMN1-Gens) verursacht wird. Dies führt zu einem irreversiblen Verlust von Motoneuronen, was die Muskelfunktionen beeinträchtigt, einschließlich Atmung, Schlucken und grundlegender Bewegungen. Die Erkrankung hat eine geschätzte globale Prävalenz von etwa 1 bis 2 pro 100.000 Menschen.

Vom SMN-Gen existiert noch eine weitere Variante, SMN2, die jedoch weit weniger effektiv ist und deshalb den Funktionsverlust von SMN1 nicht komplett ausgleichen kann. Auf der Steigerung der Effizienz von SMN2 basieren die bei spinaler Muskelatrophie zugelassenen Wirkstoffe Nusinersen (Spinraza®) und Risdiplam (Evrysdi®).

Im Jahr 2020 wurde hierzulande die Gentherapie Onasemnogen-Abeparvovec (Zolgensma™) auf dem deutschen Markt eingeführt. Zolgensma stellt einen Ersatz des defekten SMN1-Gens dar, das mithilfe eines viralen Vektors in die Zellen eingeschleust wird. Dort liegt die DNA als Episom vor, also als autonom replizierendes, ringförmiges DNA-Molekül im Zellkern, das nicht in die zelleigene DNA integriert wird. Für die Expression des therapeutischen Gens und in der Folge für eine anhaltende, kontinuierliche SMN-Proteinexpression sorgt ein in Zolgensma enthaltener konstitutiver Promotor.

Intrathekal statt intravenös

Das nun zur Zulassung vorgeschlagene Itvisma stammt wie Zolgensma aus dem Hause Novartis und enthält auch die Gentherapie Onasemnogen-Abeparvovec. Der Wirkmechanismus ist also identisch. Einen Unterschied gibt es aber zum Beispiel bei der Applikationsart. Zolgensma wird einmalig intravenös appliziert, Itvisma ist dagegen für eine einmalige intrathekale Behandlung vorgesehen. Die Dosis von Zolgensma ist abhängig vom Körpergewicht, die Itvisma-Dosis ist eine Fixdosis.

Laut EMA-Gremium soll Itvisma für die Behandlung von Kindern ab zwei Jahren, Jugendlichen und Erwachsenen, die mit 5q-assoziierter SMA mit einer biallelischen Mutation im SMN1 leben, angewendet werden. In welchem Alter Zolgensma zugelassen ist, steht nicht explizit in der Fachinformation, die Dosistabelle reicht aber nur bis zu einem Körpergewicht von 21 kg, sodass Itvisma auch bei deutlich älteren Patienten zum Einsatz kommen kann.

Die EU-Zulassungsempfehlung stützt sich unter anderem auf Daten der Phase III Studie STEER mit therapienaiven Patienten. In dieser zeigte sich im primären Endpunkt bei der Veränderung gegenüber dem Ausgangswert der Hammersmith Functional Motor Scale - Expanded (HFMSE) bis Woche 52 eine statistisch signifikante Verbesserung unter intrathekaler Behandlung mit Onasemnogen-Abeparvovec um +2,39 Punkte gegenüber der Placebointervention von +0,51 Punkten. Bei der HFMSE handelt es sich um ein etabliertes Modul zur Erfassung motorischer Funktionen.

In der Phase IIIb Studie STRENGTH, die bei vorbehandelten Patienten durchgeführt wurde, zeigte sich über 52 Wochen eine Stabilisierung der motorischen Funktion mit einer Least-Squares(LS)-Mean-Veränderung der HFMSE von 1,05 Punkten.

Zu den am häufigsten beobachteten Nebenwirkungen zählen Infektionen der oberen Atemwege, Fieber, Erbrechen, Kopfschmerzen und erhöhte Leberenzymwerte.

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