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Digitalisierung im Gesundheitswesen

Ludewig: »Runde Tische liefern keine Ergebnisse«

Digitalisierung lässt sich nicht aussitzen. Das hat Gottfried Ludewig (CDU) beim 4. eHealth-Day der Gesundheitswirtschaft Hamburg hervorgehoben. Der Leiter der Abteilung Digitalisierung und Innovation im Bundesministerium für Gesundheit (BMG) plädiert dafür, Verantwortungsbereiche künftig klar zu trennen und die Digitalisierung international zu gestalten.
Jennifer Evans
27.08.2020  13:30 Uhr

Vielen geht die Digitalisierung im deutschen Gesundheitssystem aktuell viel zu schnell. Warum das BMG in den vergangenen Jahren so aufs Gas drückt, erläuterte Gottfried Ludewig in seinem virtuellen Vortrag beim gestrigen 4. eHealth-Day in Hamburg, bei dem unterschiedliche Akteure aus der Gesundheitswirtschaft zusammenkommen. 

Wie der BMG-Digitalisierungsexperte betonte, wartet die »Welt nämlich nicht auf das deutsche Sozialgesetzbuch«, wenn es um technologischen Fortschritt geht. Eine Medizin, die mit Daten unterstützt wird, sei längst Realität. Digitalisierung ließe sich nicht durch Aussitzen aufhalten, sondern es gehe für Deutschland ums »Mitspielen und Mitgestalten«. Dabei muss man sich in Ludewigs Augen von dem Gedanken verabschieden, Neuerungen gleich perfekt umsetzen zu wollen. In diesem Zusammenhang nannte er Snowmed CT (Systematized Nomenclature of Medicine Clinical Terms). Diese universelle Nomenklatur für die Medizin hat das BMG zwar nun mit dem Patienten-Datenschutzgesetz (PDSG) auf den Weg gebracht. Doch dieser Schritt hätte womöglich schon früher passieren können, ließ er durchblicken. Andere Länder wie Österreich und die Schweiz setzen bereits darauf. Snowmed ist auch entscheidend dafür, dass Daten der elektronischen Patientenakte (EPA) über die Sektorengrenzen hinweg ausgewertet werden können.

»Die Zukunft ist europäisch«

Den Start der EPA sieht Ludewig übrigens voll im Zeitplan. Auch die jüngste Kritik des Bundesdatenschutzbeauftragten Ulrich Kelber bremst das Vorhaben seinen Angaben zufolge nicht aus. Schließlich habe Kelber nicht die Einführung an sich bemängelt, sondern das Zugriffsproblem für Patienten ohne geeignetes Endgerät wie Smartphone oder Tablet. Daraufhin habe Kelber lediglich auf die Dokumenteneinsicht für jeden gepocht.

Im digitalen Prozess hält Ludewig vor allem Kommunikation und klare Verteilung der Verantwortlichkeiten für den Schlüssel, um nach vorne zu kommen – sowohl auf europäischer als auch auf internationaler Ebene. »Die Zukunft ist europäisch oder gar international«, betonte er. Kritische Diskussionen begrüßt der Digital-Experte zwar, ein Freund von runden Tischen ist er aber nicht. Letztere behindern seiner Ansicht nach den Fortschritt. Als Beispiel nennt er die Gematik, die von der ehemaligen Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) bereits im Jahr 2004 ins Leben gerufen worden war, um unter anderem mit der Telematik-Infrastruktur (TI) die Akteure im Gesundheitswesen zu vernetzen. Inzwischen besitzt das BMG die Mehrheit der Anteile der Gesellschaft, um die digitalen Prozesse selbst lenken und schneller vorantreiben zu können.

Die eHealth-Days finden regelmäßig statt. Sie sind ein von der Stadt Hamburg und der EU gefördertes Netzwerk der Gesundheitswirtschaft Hamburg, welches den Austausch von Akteuren wie Krankenhäusern, Ärzten, Start-ups sowie Unternehmen aus den Bereichen IT, Kreativwirtschaft und Life Science fördern soll.

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