Auch die Freie Apothekerschaft (FA) weist den Vorstoß der KV Hessen mit Nachdruck zurück. Wer öffentliche Apotheken auf »pharmazeutische Verkaufsstellen« reduziere und ernsthaft Drogeriemärkte, Versandhandel, ärztliches Dispensierrecht und eine Regionalapotheke je 250.000 Einwohnerinnen und Einwohner als Zukunftsmodell ins Spiel bringt, »verkenne die Realität der Arzneimittelversorgung«, betonte der Verein heute in einer Pressemeldung.
Der Verein fordert deshalb keine standespolitischen Grabenkämpfe, sondern eine sachliche Debatte über die Zukunft der Versorgung »mit starker Vor-Ort-Apotheke, fairer Honorierung, echtem Bürokratieabbau und einer Zusammenarbeit der Heilberufe auf Augenhöhe«. Am Ende gehe es »nicht um persönliche Befindlichkeiten, Besitzstände oder Revierdenken«: Es gehe um Patientinnen und Patienten; ihnen diene eine gute Zusammenarbeit zwischen Arztpraxen und Apotheken. »Genau diese Zusammenarbeit muss gestärkt werden – nicht durch Polemik beschädigt«, erklärte die FA.
»Wer braucht noch Apotheken? Jeder Mensch, der sichere Arzneimittel braucht. Jeder chronisch kranke Patient. Jede Familie im Notdienst. Jeder ältere Mensch, der eine persönliche, erreichbare und verlässliche Anlaufstelle benötigt«, erklärte Daniela Hänel, erste Vorsitzende der FA. Die öffentliche Apotheke sei keine bloße Abgabestelle. Sie sei »heilberuflicher Kontrollpunkt, niedrigschwellige Anlaufstelle, Notdienststruktur, Rezepturhersteller, Lieferengpassmanager und oft die erste persönliche Gesundheitsinstanz vor Ort«. Genau dieses Netz werde seit Jahren durch Unterfinanzierung, Bürokratie und politische Fehlsteuerung geschwächt.
Arzneimittelversorgung bestehe nicht darin, Packungen über einen Tresen zu reichen. Jede Verordnung müsse pharmazeutisch geprüft werden: auf Dosierung, Wechselwirkungen, Doppelverordnungen, Kontraindikationen, Anwendung, Lieferfähigkeit, Austauschbarkeit und Plausibilität. »Ein Wochenendkurs für Drogeriepersonal ersetzt kein Pharmaziestudium, keine PTA-Ausbildung und keine heilberufliche Verantwortung«, so Hänel. »Arzneimitteltherapiesicherheit ist kein Regalprozess. Sie ist pharmazeutische Kompetenz.«