Pharmazeutische Zeitung online Avoxa
whatsApp instagram facebook bluesky linkedin xign

»Alles andere als rhetorisch«
-
KV Hessen fragt sich, wozu es Apotheken noch braucht

Derzeit wird viel übers Sparen im Gesundheitswesen diskutiert. Radikal Kosten senken könne man doch, indem man Apotheken abschafft, findet die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Hessen. Denn dort fänden Dienstleistungen im pharmazeutischen Sinne ohnehin kaum noch statt, eher der »Beiverkauf von Gummibärchen und Kosmetika«.
AutorKontaktPZ
Datum 09.06.2026  15:30 Uhr

»Wenn wir schon alles auf den Kopf stellen, dann sollten wir auch radikale Ideen zulassen«, postuliert die KV in ihrer Pressemeldung. Die beiden Vorstandsvorsitzenden Frank Dastych und Armin Beck monieren, dass Politik und Standesvertretung die Apotheken zu »Arztpraxen light« machen wollten. Es werde zudem viel Geld dafür ausgegeben, dass in Apotheken («pharmazeutischen Verkaufsstellen«) 95 Prozent der Fertigarzneimittel abgegeben würden, gleichzeitig kaum eine Dienstleistung angeboten werde, »die noch etwas mit Pharmazie im eigentlichen Sinne zu tun hat«.

Apotheken würden sich offenbar »vorrangig über den Beiverkauf von Gummibärchen und Kosmetika« finanzieren. »Wozu brauchen wir solche Apotheken also eigentlich noch?«, fragen sich die Vorstände. Diese Frage sei »alles andere als rhetorisch«. Hier liege ein »Milliardensparpotential«.

Abgabestellen in Drogeriemärkten

Die KV stellt sich die Versorgung anders vor, etwa über den Onlineversandhandel, schlägt zudem vor, Abgabestellen in Drogeriemärkten einzurichten, und bietet direkt an, sich um die Schulung des Personals zu kümmern. Überfällg sei auch das Dispensierrecht für Arztpraxen. Damit ließe sich »eine durchgehende und flächendeckende Arzneimittelversorgung organisieren und gleichzeitig sehr viel Geld einsparen«.

Die Praxen könnten zudem den Praxis- und Sprechstundenbedarf und den Bezug von Impfstoffen organisieren. Weiterer Vorschlag: »Für die Versorgung der restlichen Bevölkerung sollte pro 250.000 Einwohner eine Regionalapotheke mit einem 24/7-Fahrdienst ausreichen, die man idealerweise in der Nähe eine zukünftigen Integrierten Notfallzentrums (INZ) einrichten könnte.«

Mehr von Avoxa