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Sommerempfang AV Nordrhein
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Krisensituationen erfolgreich meistern

Gestern konnte ABDA-Präsident und Vorsitzender des AV Nordrhein Thomas Preis wieder zahlreiche Gäste beim Sommerempfang des Apothekerverbandes Nordrhein (AVNR) in den Rheinterrassen in Düsseldorf begrüßen. Dabei hinterließ besonders die Rede des Gastredners Peter Marth, Oberstapotheker im Kommando Gesundheitsversorgung der Bundeswehr, einen bleibenden Eindruck.
AutorKontaktKerstin Pohl
Datum 03.09.2026  15:30 Uhr

Preis zog zunächst eine Zwischenbilanz der aktuellen Gesundheitspolitik der amtierenden Bundesregierung und kam zu dem Schluss, dass sich in der Apothekenwelt in den letzten Monaten sehr viel bewegt habe. Seit über 13 Jahren würden die Belange der Apotheker von der Politik ignoriert und vernachlässigt. Aber dieses Szenario habe sich mittlerweile gewandelt. Es wurden wichtige Entscheidungen zur Stärkung der Apotheke getroffen und damit auch zur Stabilisierung der Gesundheitsversorgung der Menschen vor Ort.

Trotzdem würden die neuen Regelungen der Situation in Apotheken nur sehr bedingt gerecht. Zwar werde das Apothekenfixum in zwei Schritten auf 9,50 Euro erhöht. Problematisch sei aber, dass 26 Prozent dieser Erhöhung direkt wieder durch die Erhöhung des Apothekenabschlages im Zuge des GKV-Beitragssatz-Sicherungsgesetzes ab Januar 2027 von den Krankenkassen einkassiert würden, so Preis. Weitere Apothekenschließungen würden mit einer solchen Politik nicht verhindert. »Deshalb werden wir auch in Zukunft mit der Politik die wirtschaftliche Stärkung der Apotheken weiter diskutieren«, versprach er. Es gebe aber auch ein klares versorgungspolitisches Signal in Richtung der Apotheken.

Das zeige sich in den neuen niedrigschwelligen Angeboten in den Apotheken, wie beispielsweise dem Impfen mit Totimpfstoffen sowie neuen Test- und Präventionsangeboten, womit Apotheken immer mehr Verantwortung übernehmen. Dafür brauchen sie aber auch die entsprechenden wirtschaftlichen Grundlagen. Ziel sei aber immer, mit bürgernahen Präventionsangeboten zur Verbesserung der Gesundheit der Menschen beizutragen.

Problemfall: ausländische Versandhändler

Sorgen bereitet den Apothekern die stetig zunehmende Praxis ausländischer Versandhändler, die gesetzlich vorgeschriebenen Zuzahlungen für verschreibungspflichtige Arzneimittel nicht zu erheben und damit auch noch ungestraft werben zu dürfen. Abgesehen vom Wettbewerbsvorteil durch das Nicht-Einziehen der gesetzlichen Zuzahlung wird die Stabilität des Gesundheitssystems aufs Spiel gesetzt. Die Bundesregierung habe dies mit der 50-prozentigen Anhebung der Zuzahlungen zum 1. Januar 2027 noch verschärft, kritisierte Preis. Das sei für Apotheker nicht länger hinnehmbar.

Deshalb sei der Apothekertag in München im September eine Möglichkeit, dieser gefährlichen Entwicklung mit entsprechenden Anträgen vorzubeugen. Preis forderte, die Zuzahlungen ab sofort durch die Krankenkassen einziehen zu lassen, denn dorthin würden sie auch fließen. »Apotheken wollen nicht als billiges Inkassobüro der Krankenkassen herhalten«, sagte er.

Der ABDA-Präsident setzt deshalb große Hoffnung in den neuen Gesundheitsminister Dr. Carsten Linnemann, der erkennen müsse, dass hier dringender Handlungsbedarf bestehe.

Aber wie sieht es aus, wenn die Arzneimittelversorgung nicht mehr sichergestellt ist, wenn gewohnte Strukturen nicht mehr funktionieren und Lieferketten zusammenbrechen? Wenn auch Deutschland in einen Krieg involviert würde? Als Gesellschaft müsse man sich mit diesem Thema beschäftigen, und dazu sei es hilfreich, die Perspektive der Bundeswehr einzubeziehen, so Preis.

Krisensituationen meistern, aber wie?

Auf diese Fragen versuchte der Gastredner Peter Marth, Oberstapotheker im Kommando Gesundheitsversorgung der Bundeswehr, Antworten zu geben. Mittlerweile sind fünf Jahre vergangen, seit Russland die Ukraine angegriffen hat, und damit habe sich die sicherheitspolitische Lage grundlegend verändert.

Er beschrieb ein denkbares Szenario: Ein Patient benötigt eine Dauermedikation, das Medikament ist im PC verfügbar, aber im Großhandel nicht, die Hersteller haben nicht geliefert, ein Wirkstoff ist in der globalen Lieferkette nicht verfügbar. Damit aus dem Lieferengpass kein Versorgungsengpass wird, kümmert sich dann der Apotheker oder die Apothekerin um die Bestellung. Hier werde die Bedeutung der Apotheken schon deutlich, sagte Marth. Der Apotheker stehe am Ende einer Lieferkette und sichere damit die Gesundheitsversorgung der Bevölkerung.

Diese beschriebene Situation sei aber keine Ausnahme, sondern mittlerweile Alltag in vielen Apotheken. Die öffentliche Apotheke sei ein Garant der Gesundheitsversorgung der Bevölkerung. Sie sei aber Teil der kritischen Infrastruktur, und die Annahme, dass im Alltag alle Arzneimittel immer verfügbar sind, sei falsch. »Das ist Geschichte«, so Marth. Die Versorgungssicherheit sei ein komplexes Zusammenspiel vieler Strukturen und Menschen, und die gesamte Versorgungskette sei nicht mehr sicher.

Apotheke verbindet Fachkompetenz mit Verantwortung

Marth stellte die Frage, ob unser Gesundheitssystem mit Versorgungsengpässen umgehen kann. Seine Einschätzung: Ja, das kann es. Denn hier zeige sich die Stärke der öffentlichen Apotheke: ihre Fachkompetenz, Alternativen zu suchen und zu finden, mit Ärztinnen und Ärzten, Krankenversicherungen und Patientinnen und Patienten zu kommunizieren und aktiv nach Lösungen zu suchen. Die öffentliche Apotheke leiste einen wichtigen Beitrag zur Krisenfestigkeit, dezentral und vor Ort, und verbinde Fachkompetenz mit Verantwortung für den einzelnen Menschen. Diese Nähe zum Menschen könne in einer Krise entscheidend sein, erklärte Marth.

Der Krieg in der Ukraine zeige, dass Friedenssicherheit und Funktionssicherheit keine Selbstverständlichkeit seien, so Marth. Der Oberstapotheker, Soldat im 40. Dienstjahr, sagte, dass nach militärischen Analysen in drei bis sechs Jahren ein russischer Angriff auf Nato-Territorien vorstellbar sei. Hybride Angriffe und Cyber-Angriffe gegen den Westen auf kritische Infrastrukturen gebe es bereits. »Das Machtstreben Russlands wird absehbar die größte Bedrohung bleiben«, betonte er. Deshalb sei eine gesamtwirtschaftliche Resilienz unabdingbar. Außerdem hob er hervor, dass Friedenssicherheit und die Funktionsfähigkeit des Gemeinwesens keine Selbstverständlichkeit seien. Zur nationalen Resilienz gehörten eine leistungsfähige Gesundheitsversorgung und eine verlässliche Arzneimittelversorgung.

Im Raum stand außerdem die Frage, ob Störungen im Gesundheitssystem abgefangen werden könnten. Eine absolute Störungsfreiheit werde es nie geben, sagte Marth und forderte deshalb auch eine Stärkung der Krisenresilienz, die gesamtgesellschaftlich verantwortet werden müsse. Dabei sei die Vorbereitung auf eine Krise wichtiger als die spätere Reaktion im Ernstfall.

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