Patienten, die eine Sepsis überlebt haben und längere Zeit intensivmedizinisch behandelt werden mussten, haben häufig einen langen Genesungsprozess. Daher empfiehlt die S3-Leit-linie, Angehörige und Patientenverfügungen frühzeitig einzubeziehen und realistische Behandlungsziele innerhalb von 72 Stunden zu formulieren. Es kann zu Organfunktionsstörungen (Dialyse), körperlichen Einschränkungen (Amputation) oder zur Pflegebedürftigkeit kommen.
Als Langzeitfolgen werden beschrieben:
Ebenso kann es als Folge einer schweren Sepsis und Intensivtherapie zu einer neuromuskulären Schwäche mit Muskelatrophie, Kachexie oder Schluckstörungen kommen. Ein Großteil dieser Spätfolgen tritt verzögert auf und ist bei Entlassung aus dem Krankenhaus noch nicht diagnostizierbar, sodass die Verantwortung im hausärztlichen Bereich liegt.
Nicht alle Ärzte kennen die Langzeitfolgen einer Sepsis. Daher sollte im Entlassbericht darauf hingewiesen werden. Die Apotheke kann in einem sensiblen Gespräch mit den Angehörigen aufklären, unterstützen und den Kontakt zu Selbsthilfegruppen vermitteln.

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Einige Betroffene beschreiben, dass es ganz harmlos anfing: eine Verletzung beim Schneiden der Rosen oder ein grippaler Infekt. Diese »Kleinigkeiten« hätten sich verschlimmert, sodass sie einen Arzt aufgesucht hätten, der sie aber eher beruhigt und ihnen zum Ausruhen geraten hat. Auch sie selbst lebten mit dem Gefühl weiter, es werde schon irgendwann besser. Erst als ihr Befinden immer schlechter wurde, seien sie ins Krankenhaus gefahren oder hätten den Notruf gewählt. Sie beschreiben die Situation: »Ich habe mich irgendwie komisch und noch nie so krank gefühlt« und »ich habe mich gefühlt, als müsste ich sterben«. Im Krankenhaus wurden sie auf der Intensivstation für einige Zeit ins Koma versetzt. Folgeschäden blieben zurück.
Eine andere Betroffene mit immunsuppressiver Therapie aufgrund einer Autoimmunerkrankung wurde mit einer Pankreatitis stationär aufgenommen und infizierte sich beim Legen eines venösen Zugangs mit einem Hautkeim. Nach Abklingen der Pankreatitis wurde sie mit starkem Krankheitsgefühl und Schwäche entlassen. Da die Ärzte vorsorglich eine Blutkultur angelegt hatten, war die Sepsis schnell diagnostiziert und die Patientin wurde wieder ins Krankenhaus aufgenommen. Durch die schnelle Diagnose und Therapie verblieben keine Folgeschäden.