Für die Diagnose einer Sepsis müssen Mikroorganismen oder deren Toxine im Blut zu finden sein. Diese können allerdings dem Nachweis durch Blutkulturen entgehen, da sie auch intermittierend in das Blut gelangen oder der Patient bereits mit Antibiotika behandelt wurde.

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Verschiedene Testsysteme wurden auf ihre Eignung zur Diagnose und Prognose einer Sepsis untersucht.
Der SOFA-Score (sequential organ failure assessment score) ermittelt die für eine Sepsis kennzeichnende Organdysfunktion. Es werden sechs Organe/Organsysteme mithilfe spezifischer Parameter beurteilt: Atemtätigkeit, Herz-Kreislauf-System, zentrales Nervensystem, Leber- und Nierenfunktion sowie Blutgerinnung. Für die Kurzversion qSOFA sind keine Labortests erforderlich. Eine schlechte Prognose haben Patienten, die zwei der drei Parameter erfüllen. Allerdings gelten beide Tests als weniger sensitiv und sollten nicht alleiniger Screeningtest sein.
Sensitiver, aber weniger spezifisch ist das SIRS-Punktesystem (systemic inflammatory response syndrome).
Frühwarn-Scores, insbesondere der NEWS2, zeigen eine bessere Sensitivität (Tabelle). Die Vitalparameter (Atemfrequenz, Sauerstoffsättigung im Blut, Körpertemperatur, systolischer Blutdruck, Puls, Bewusstsein) der Patienten werden in bestimmten Zeitabständen beobachtet, um Dringlichkeit und Intensität medizinischer Maßnahmen einschätzen zu können. Je nach Ausmaß der Abweichung vom Normwert werden Punkte vergeben.
Es gibt keine Evidenz für das Ausreichen eines einzigen Tools zur Identifikation eines an Sepsis erkrankten Patienten. Daher wird eine Kombination auch mit Biomarkern wie Laktat und Procalcitonin empfohlen.
Zur weiteren Identifikation des Erregers werden von Flüssigkeits- oder Gewebeproben, zum Beispiel Urin, Zerebrospinalflüssigkeit, Wundgewebe oder Sputum aus der Lunge, Kulturen angelegt. Hinzu kommen Röntgenbilder des Brustkorbs oder andere bildgebende Verfahren wie Ultraschall, Computertomografie (CT) oder Magnetresonanztomografie (MRT), um nach einer Infektionsquelle zu suchen, Blutuntersuchungen mit Bestimmung des Laktatwerts, Sauerstoffsättigung (Pulsoximetrie) sowie ein EKG. Verschiedene Instrumente wie der NEWS2-Score (National Early Warning Score) werden zum Screening herangezogen (Tabelle, Kasten).
Auch die klinischen Zeichen spielen diagnostisch eine große Rolle. In zahlreichen Studien wurden Biomarker für das Screening untersucht, die sich allerdings als wenig spezifisch und unzureichend sensitiv entpuppten. Dies gilt ebenso für C reaktives Protein (CRP) und Procalcitonin (PCT), deren Bestimmung eher für das Absetzen der antiinfektiven Therapie nach einer Sepsis wichtig ist.
Tabelle: Im NEWS2-Score (National Early Warning Score) wird jeder Parameter mit einem Punktwert beurteilt. Bewertung: ≤4 Punkte: leichtes Risiko; 5 bis 6 Punkte: moderates Risiko; ≥7 Punkte: hohes Risiko für eine Sepsis