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Nebennieren

Kleine Drüsen mit großer Bedeutung

Substitution der essenziellen Hormone

Die echte Nebenniereninsuffizienz ist immer zu therapieren. Bei den nicht ­reversiblen Formen müssen Patienten lebenslang Cortisol substituieren. Dafür eignet sich am besten das mit der körpereigenen Substanz identische Hydrocortison, das in oraler Form zwei bis drei Mal täglich einzunehmen ist, die höchste Einzeldosis morgens. Gängig sind zum Beispiel 15 mg morgens und 5 mg mittags (4, 5, 6, 7).

Bei außergewöhnlichen Belastungen wie fiebrigen Erkrankungen, akutem Schmerz, Unfall oder Verletzung benötigt der Körper mehr Cortisol. Patienten müssen die Dosis eigenmächtig erhöhen. Bei einem starken Mangel an Cortisol droht sonst eine »Addison-Krise« mit Symptomen wie Übelkeit, Brechreiz, Schwäche bis hin zu Bewusstseinstrübung und Koma. Dies kann tödlich enden. Das Apothekenteam sollte Patienten daran erinnern, einen Notfallausweis stets bei sich zu führen. Eine pdf-Version des Ausweises (Abbildung) stellt zum Beispiel die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie zur Verfügung (www.endokrinologie.net/krankheiten-nebenniereninsuffizienz.php).

Im Notfallausweis steht, mit welchen Dosiserhöhungen auf typische Belastungssituationen zu reagieren ist. Weiterhin ist zu beachten: CYP3A4-Induktoren wie Phenytoin, Carbamazepin, Rifampicin und Johanniskraut, aber auch Grapefruit und Lakritz wirken sich auf den Abbau von Cortisol aus. Auch dazu kann das Apothekenteam beraten (2, 3, 5, 6).

Um den gleichzeitig auftretenden Mangel an Aldosteron auszugleichen, müssen Patienten mit einer primären Nebenniereninsuffizienz meistens auch dieses Hormon substituieren. Dazu verschreiben Ärzte in der Regel das Mineralocorticoid Fludrocortison in einer Dosis von 0,05 bis 0,2 mg täglich (2, 5, 6). Ist ein Patient gut eingestellt und adhärent, kann er sich einer normalen Leistungsfähigkeit und Lebensqualität erfreuen.

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