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Betablocker
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Keiner ist wie der andere

Skepsis, Unverständnis und mangelnde Therapietreue sind bei Patienten unter Betablocker-Therapie nicht selten. In der Beratung und vor allem bei einer Medikationsanalyse kann das Apothekenteam über den Nutzen und sachgemäßen Umgang sowie potenzielle Neben- und Wechselwirkungen sprechen.
AutorKontaktKai Girwert
Datum 14.09.2023  11:00 Uhr

Nebenwirkungen und Nocebo-Effekt

Neben den genannten UAW listen die Beipackzettel und Fachinformationen viele weitere auf. Dies wirkt sich negativ auf die Patienten aus: Kaum eine andere Arzneimittelklasse hat stärker mit dem Nocebo-Effekt zu kämpfen.

Viele Patienten gehen davon aus, dass Nebenwirkungen auftreten, kennen aber den möglichen Nutzen nicht. In der Beratung oder bei pharmazeu­tischen Dienstleistungen können Apotheker mögliche UAW gezielt thema­tisieren und über den tatsächlichen Nutzen der Betablocker aufklären. Im Idealfall kann dies einem Therapie­abbruch und einer mangelnden Therapietreue vorbeugen.

Eine Auswertung von 13 rando­misierten placebokontrollierten Doppelblindstudien ergab, dass Hyperglykämie, Durchfall, Schwindel, Bradykardie sowie die Schaufensterkrankheit Claudicatio intermittens unter Betablockern häufiger als unter Placebo auf­traten. Die galt hingegen nicht für oft befürchteten Beschwerden Depression und erektile Dysfunktion (DOI: 10.1016/ j.ijcard.2013.05.068).

Für Carvedilol sind spezifische UAW zu berücksichtigen (Tabelle). Durch die α1-Blockade sind Ödeme und orthostatische Störungen möglich. Älteren Pa­tienten wird daher geraten, die Medikation konsequent während einer Mahlzeit einzunehmen, um die Resorption und den Wirkeintritt zu verlang­samen. Tritt bei Therapiestart eine Harninkontinenz auf, könnte dies eine mögliche Störwirkung sein. Eine Weiterführung der Therapie wäre für die Patienten sicher nicht akzeptabel. Zudem bestünde die Gefahr einer Verordnungskaskade, also dass auf eine Blasenfunktionsstörung hin therapiert wird, anstatt die verursachende Medikation abzusetzen.

Propranolol führt wegen der Blockade von β2-Rezeptoren häufiger zu Vaso- und Bronchokonstriktionen. Asthmaanfälle, Kältegefühl in Händen und Füßen sowie eine Verschlechterung einer erektilen Dysfunktion oder einer Schaufensterkrankheit sind daher wahrscheinlicher.

Da Betablocker insgesamt den Energiestoffwechsel senken, fällt es den Patienten schwerer, ihr Gewicht zu halten oder gar zu reduzieren. Dies ist ein weiterer Grund, warum Betablocker bei übergewichtigen jungen Menschen mit Hypertonie nicht Mittel der ersten Wahl sind beziehungsweise junge Patienten Betablockern meist ablehnend gegenüberstehen.

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