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Patienten steuern  – aber wie?
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KBV setzt auf »Primärarztsystem«

Praxen entlasten durch effiziente Patientensteuerung – das wollen im Zuge des geplanten Primärversorgungssystems wohl alle. Über das Wie wird gestritten, etwa beim heutigen KBV-Mittagstalk. Die Ärzteseite pocht auf Verbindlichkeit und favorisiert ein »Primärarztmodell«, die Kassen setzen auf Digitalisierung.
AutorKontaktCornelia Dölger
Datum 08.09.2026  15:50 Uhr

Die Frage der Dringlichkeit

Dass Ökonom Linnemann dies annimmt, glaubt Hofmeister durchaus – denn ähnlich wie bei der Prävention solle auch bei der Primärversorgung »am langen Ende gespart werden«. Daher lasse sich die Zusatzvergütung gut rechtfertigen, zumal auch für den Aufbau der digitalen Strukturen Investitionen nötig seien. Hofmeister nannte für den Ausbau etwa einer digitalen Plattform einen »niedrigen dreistelligen Millionenbetrag«, anschließend dann laufende Kosten.

Dies hätten die Kassen derzeit nicht auf der hohen Kante, entgegnete Stoff-Ahnis. Die Primärversorgung sei im Übrigen kein Sparprogramm, sondern es gehe darum, die Abläufe zu verbessern. Bei der Vergütung sähen die Kassen keinen zusätzlichen Investitionsbedarf, denn es würden ja auch Patientenkontakte »eingespart«. Eine Grundstruktur müsse gleichwohl aufgebaut werden.

Die schwarz-rote Koalition verknüpft in ihrem Koalitionsvertrag das Primärversorgungsmodell mit einer Termingarantie als Ziel der effizienteren Patientensteuerung. Stoff-Ahnis sieht bei der Terminvergabe Luft nach oben. Es gehe um Bedarf, nicht um Bedürfnisse, pflichtete sie Gassens Eingangsstatement bei. Gleichzeitig sei das Vertrauen der Menschen wichtig – und hier die Tatsache, dass viele für sich eine Dringlichkeit sähen, dann aber teils lange auf einen Termin warten müssten, durchschnittlich 42 Tage. Das verunsichere sie. Daher brauche es eine qualifizierte Ersteinschätzung.

Hoheit über Terminvergabe

Mit einem Termin-Tool, an das alle Ärzte verpflichtend auch anteilig Termine melden sollten, könne effizienter gesteuert werden. Das Risiko von Leerlaufzeiten durch Nichterscheinen sieht Stoff-Ahnis nicht; in einem ausgefeilten System könne dies abgefedert werden.

Gegen einige »unzutreffende Prämissen« argumentierte diesbezüglich Hofmeister. Digitale Instrumente seien meist wenig zielgenau, daher sei man besorgt, sie für eine Ersteinschätzung einzusetzen oder den Ablauf gar zu »entprofessionalisieren« – in Apotheken, Drogerien oder sonst wie, so Hofmeister. »Wir glauben an ein Primärarztmodell, unterstützt durch die 116117.«

Zudem sei es eine »Fantasie« und »ziemlich vage«, davon auszugehen, dass Facharztpraxen Blankotermine aufnehmen. Wenn die Praxen solche Termine freihalten müssten, müsse dies zusätzlich honoriert werden.

Dass die Kassen die Hoheit über die Terminvergabe bekommen könnten, ist für Stoff-Ahnis freilich gut vorstellbar. Auf Dauer seien private Dienstleister nicht die Lösung, so die GKV-Vorständin. Stattdessen seien Apps der GKV oder der Kassenärztlichen Vereinigungen möglich. Die Anforderungen seien hochkomplex und sollten daher übergreifend entwickelt werden.

Hofmeister entgegnete, kein Tool könne passgenau ärztliche Leistungen andeuten. Die Software SmED (Strukturierte medizinische Ersteinschätzung in Deutschland) könne hingegen zumindest Akuität anzeigen. Multikausale Diagnosen könnten aber allein Ärztinnen und Ärzte stellen. »Es gibt keine Technik, die das kann.«

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