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FA-Kritik
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Kassen dulden »Logistik-Glücksspiel«

Kassen prüfen nicht, ob ein versendetes Arzneimittel ordnungsgemäß transportiert wurde, erstatten dafür aber denselben Preis wie für ein Präparat aus der lokalen Apotheke. Die Freie Apothekerschaft (FA) sieht darin  »eine fundamentale Gerechtigkeits- und Sicherheitsfrage«.
AutorKontaktPZ
Datum 19.05.2026  12:00 Uhr

Bei dem Versuch, die Versender einzufangen, machte das  Bundesgesundheitsministerium (BMG) unlängst einen Rückzieher und sah davon ab, Doc Morris, Redcare und Co. samt ihrer Logistiker in die Pflicht zu nehmen, um die Qualitätssicherung beim Arzneimitteltransport zu gewährleisten. Anders als in  der Verordnung  zur Änderung der Apothekenbetriebsordnung und weiterer

Verordnungen von Stand Dezember vorgesehen, sollen DHL und andere Dienstleister nun nicht mehr verantwortlich dafür sein, dass die Vorgaben beim Transport eingehalten werden, so sieht es ein neuer Verordnungsentwurf vor. Unternehmen und Versenderverbände hatten zuvor bei der EU-Kommission gegen die Pläne Einspruch erhoben.

Vor diesem Hintergrund macht die Freie Apothekerschaft (FA) erneut auf das hiesige Paradoxon bei den Vorgaben zum Arzneimitteltransport aufmerksam. »Jedes Arzneimittel, das in einer Apotheke vor Ort durch pharmazeutische Fachkräfte an die Patienten abgegeben wird, unterliegt strengsten Kontrollen: von der lückenlosen Kühlkette bis zur fachkundigen Beratung«, schreibt der Verein. Sobald aber EU-Versender ins Spiel kämen, »scheint dieses Sicherheitsnetz löchrig zu werden«.

FA: Kassen schweigen zu»Logistik-Lücke«

Denn anders als lokale Apotheken und der Pharmagroßhandel, die strengen Auflagen unterlägen, profitierten die Versender von der laxen Handhabung der Vorgaben; kontrolliert werden die Versender bekanntlich nicht. Gebilligt werde dies vom BMG, von den Bundesländern und auch den Kassen. Dies gehe letztlich auf Kosten der Patientensicherheit, wenn nämlich Arzneimittel durch falsche Temperaturen beim Transport Schaden nähmen und an Wirksamkeit einbüßten.

Hier habe die EU-Kommission nach einer »gefährlichen Logik« gehandelt, als sie Bedenken gegen die geplanten Verschärfungen äußerte und diese als übertrieben darstellte. Die Behörde hatte argumentiert, immerhin gebe es ja keine nennenswerten Patientenreklamationen.

Die FA nimmt die Kassen in den Blick. Denn diese seien für eine solche Patientengefährdung mit verantwortlich, wenn sie die »Logistik-Lücke« schweigend hinnähmen. Die FA-Vorsitzende Daniela Hänel erklärt, dass der Verein sich nach Kontrollen durch den GKV-Spitzenverband erkundigt habe. »Die Antwort ist ernüchternd: Es findet keinerlei Prüfung statt«, so Hänel. 

Daraus ergibt sich demnach eine »fundamentale Gerechtigkeits- und Sicherheitsfrage: Warum erstattet die GKV für Arzneimittel, die ohne nachgewiesene Temperaturkontrolle per Standard-Paketdienst geliefert werden, den exakt gleichen Preis wie für Produkte, bei denen die pharmazeutische Qualitätssicherung und persönliche Beratung garantiert sind?«

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