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Impfkampagne

Italiens Apotheker impfen gegen Corona – zumindest theoretisch

In Deutschland laufen aktuell die Planungen für die ersten Corona-Impfungen in den Arztpraxen. Auch in Italien wird die Impfkampagne derzeit auf den ambulanten Sektor erweitert. Nach einem Parlamentsbeschluss gehören rein theoretisch nun auch Apotheker zum impfenden Personal. Allerdings wird es in der Praxis wohl nicht so schnell zu Immunisierungen in den Apotheken kommen.
Benjamin Rohrer
16.02.2021  12:30 Uhr

Durch die europaweite Zulassung des Coronavirus-Impfstoffs von Astra-Zeneca können in Europa nun auch Menschen im ambulanten Sektor immunisiert werden. Denn während die ersten mRNA-Impfstoffe mit Blick auf deren Kühlung eine recht komplizierte Lagerhaltung mit sich bringen, kann der Vektorimpfstoff von Astra-Zeneca bei »normaler« Kühlung zwischen 2 und 8 Grad auch in Apotheken gelagert und in Arztpraxen verabreicht werden. Zudem werden in den kommenden Monaten voraussichtlich weitere Impfstoffe mit einem solchen unkomplizierten Lagerungsprofil zugelassen.

In Deutschland tauscht sich das Bundesgesundheitsministerium derzeit schon mit Großhändlern, Apothekern und Ärzten darüber aus, wie diese Impfstoffe in die »normale« Lieferkette gelangen, damit sie dezentral auch außerhalb der großen Impfzentren verabreicht werden können. In einigen anderen Ländern, wie beispielsweise Großbritannien oder den USA, werden zum jetzigen Zeitpunkt sogar bereits Apotheken in die Impfkampagne mit einbezogen. In den großen Apothekenketten der beiden Länder werden jetzt schon massenweise Impfungen durchgeführt.

Impferlaubnis für Apotheker zunächst nur für ein Jahr

Zumindest in der Theorie hat nun auch Italien den Weg für Impfungen in der Apotheke geebnet. Das Abgeordnetenhaus in Rom hat kurz vor dem Jahreswechsel 2020/2021 das Haushaltsgesetz für 2021 verabschiedet, in dem eine entsprechende Regelung enthalten ist. Zur Erklärung: Die italienischen Regierungskoalitionen nutzen das Haushaltsgesetz («la manovra« oder »legge di bilancio«) regelmäßig, um Änderungsanträge aus allen möglichen Politikbereichen einzubringen, die sonst in monatelangen parlamentarischen Beratungen untergegangen wären. Das Haushaltsgesetz für das laufende Jahr enthält einen Covid-19-Schwerpunkt – also Maßnahmen, mit denen die wirtschaftliche Situation nach den Lockdowns verbessert und das Virus weiter eingedämmt werden soll.

Mit dem Gesetz hat das Parlament eine Formulierung beschlossen, nach der Apotheker zunächst befristet für das Jahr 2021 grundsätzlich Impfungen anbieten dürfen. Eine Beschränkung auf Impfungen gegen das Coronavirus ist nicht im Gesetzestext enthalten – in Medienberichten ist die Rede davon, dass Apotheker im laufenden Kalenderjahr zumindest theoretisch auch gegen Influenza impfen könnten.

Doch es gibt noch eine ganze Reihe von Hürden, die eine schnell startende Impfkampagne in Italiens Apotheken derzeit noch verhindern. Denn das Gesetz selbst enthält eine wesentliche Einschränkung: Apotheker dürfen nämlich nur »mit Assistenz eines Arztes« oder in Anwesenheit von anderweitig in Sachen Impfungen »gebildeten Personal« immunisieren. Dass Ärzte oder Krankenschwestern aus Praxen und Kliniken nun stundenlang in Apotheken sitzen, während die Pharmazeuten die Impfungen verabreichen, ist allerdings kein realistisches Szenario.

Lombardei: Apotheken-Impfungen für 40 bis 60-Jährige

Trotzdem haben nun in den Regionen Lombardei und Piemonte nun erstmals zwei Apothekerverbände Verträge mit den Krankenversicherungen und der Landesregierung über die Einbeziehung der Apotheker in die Impfkampagne abgeschlossen. Im bevölkerungsreichsten Bundesland, der Lombardei, sollen Menschen zwischen 40 und 60 Jahren mit der Astra-Zeneca-Vakzine immunisiert werden. Das Problem mit der ärztlichen Assistenz wurde aber auch in diesen beiden Regionen noch nicht gelöst. Dem Vernehmen nach wird derzeit über eine auf nationaler Ebene angebotene Fortbildung für Apotheker in Sachen Impfungen nachgedacht. Einen Theoriekurs der Kammer dazu hatten knapp 20.000 Apotheker des Landes im vergangenen Jahr sogar schon absolviert. Aufgrund der Kontaktbeschränkungen konnte der Praxisteil jedoch bislang nicht angeboten werden.

Was den Fortschritt der Impfkampagne betrifft, ist Italien ähnlich entwickelt wie Deutschland. Auch in Italien sind knapp 5 von 100 Menschen mindestens einmal gegen das Coronavirus geimpft worden. Bislang waren die Krankenhäuser und die dortigen Apotheken für die Aufbereitung und Verabreichung der Impfungen zuständig. Und es wurden hauptsächlich medizinisches Personal sowie Pflegeheimbewohner und Krankenhauspatienten immunisiert.

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