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BAV-Projekt zum E-Rezept
In den Apotheken läuft es recht rund

Die Web-App des DAV im Praxistest

Wie hat sich aber nun die Web-App des DAV im Praxistest bewährt? »Sie hat funktioniert«, freut sich die BAV-Geschäftsführerin. Ganz deutlich hätte sich außerdem gezeigt, welche Erwartungen Patienten und Leistungserbringer an eine solche Anwendung stellen. »Sie muss möglichst einfach zu installieren und möglichst intuitiv zu bedienen sein, und sie muss immer funktionieren«, resümierte Damer. Bei der Bedienung beziehungsweise Menü-Führung seien keine Schwierigkeiten aufgetreten. Allerdings gibt sie zu bedenken, dass der Funktionsumfang der App in Phase I noch »sehr überschaubar« gewesen ist. Insbesondere zu Beginn des Pilots hatte die Installation und Inbetriebnahme der Web-App nach Damers Angaben »nicht dem üblichen Prozedere« entsprochen, das sei aber »sukzessive optimiert worden«.

Ungewohnt für viele Nutzer der Web-App war und ist demzufolge, dass die Installation nicht über die klassischen App-Stores erfolgt, sondern über einen einfachen Link als Verknüpfung auf dem Home-Bildschirm des Endgeräts gespeichert wird. Das liegt daran, dass es sich bei der DAV-Anwendung eigentlich um eine Webseite handelt, die aber die Funktionalitäten einer klassischen App aufweist. Der Vorteil einer solchen progressiven Web App ist es, dass sie nicht über das Betriebssystem des Smartphones läuft, sondern der Standard-Internetbrowser des Smartphones die Daten verarbeitet. So müssen etwa nicht permanent Anpassungen via Updates stattfinden. Außerdem läuft die App plattformübergreifend, kann also auf allen Endgeräten des Nutzers zum Einsatz kommen.

Was für die Akzeptanz des E-Rezepts zentral ist

Welche Rückmeldung es konkret von teilnehmenden Ärzten, Apothekern und Patienten gibt, will der BAV noch nicht verraten und verweist diesbezüglich auf die angekündigten Ergebnisse der projektbegleitenden Evaluation. Aus Damers Sicht ist für die Akzeptanz der E-Rezepte aber entscheidend, dass sie »mindestens so einfach und gut funktionieren wie das Papierrezept – und zwar bei allen am Versorgungsprozess Beteiligten«. Und auch in Sachen Datenschutz und Datensicherheit dürfe es keine Kompromisse geben, betonte sie. Zudem spielt Convenience ihrer Ansicht nach in jeder Hinsicht eine große Rolle. »Wenn die Menschen es komfortabler finden, ihre Rezepte auf dem Smartphone zu empfangen, dann werden sie das E-Rezept nutzen, wie sie es mit Bahntickets oder Bordkarten heute schon tun.« Dennoch werde es vermutlich auch viele Menschen geben, die aus unterschiedlichen Gründen die Papiervariante bevorzugen. Ob sogenannte Mehrwerte eine breitere Nutzung des E-Rezepts beförderten, sei bisher nicht untersucht. Es werde wichtig sein, »die Basisanwendung so einfach wie möglich zu halten und für technisch versiertere oder bereits geübte Nutzer Zusatzfunktionen vorzusehen, die auf Knopfdruck zur Nutzung freigegeben werden können, aber nicht müssen«.

Genau wie das Prozedere in den Arztpraxen und bei den Leistungserbringern möglichst komfortabel gestaltet und nah an den derzeitigen Abläufen orientiert sein sollte, müssen in der Apotheke möglichst viele Prozessschritte innerhalb des Warenwirtschaftssystems erfolgen. »Das heißt es, kommt auf eine gute Kommunikation zwischen Patienten-Applikation, E-Rezept-Fachdienst, Warenwirtschaftssystem und Apothekenrechenzentrum an«, sagte Damer. Mit Blick auf die Grundfunktionen sei dies in der ersten Phase des Projekts bereits sehr gut gelungen.

Die zweite Phase des Fördervorhabens soll nun vor allem dazu dienen, mit einem deutlich vergrößerten Teilnehmerkreis weitere Versorgungsszenarien zu untersuchen. »Die SARS-CoV-2-Pandemie hat gezeigt, dass das Papierrezept Schwächen hat, wenn es um die kontaktlose Versorgung insbesondere von Risikopatienten geht.« Die Fernübertragung des E-Rezepts habe dagegen – womöglich sogar noch in Verbindung mit einer Videosprechstunde – klare Vorteile. Vor allem für jene Menschen, die in Pflegeeinrichtungen wohnen oder ambulant gepflegt werden.

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