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Covax-Initiative
Impfstoffe auch für ärmere Länder?

Größte Herausforderung: Logistik

Doch Covax alleine reicht bei weitem nicht aus, um das Coronavirus in Entwicklungsländern zu besiegen. Afrika habe zum Ziel, 60 Prozent der Bevölkerung des Kontinents zu impfen, um eine Herdenimmunität zu erreichen, erklärte jüngst John Nkengasong, der Chef der Africa CDC, die Gesundheitsorganisation der Afrikanischen Union (AU). Covax stellt aber nur genug Impfdosen für maximal 20 Prozent der Bevölkerung. Daher bemüht sich die Africa CDC laut Nkengasong, zusätzliche Mittel von der Weltbank und der African Export-Import Bank für weitere Impfdosen zu sichern.

Die wohl größte Herausforderung wird aber die Logistik sein. Der Pfizer-Impfstoff etwa muss bei rund minus 70 Grad Celsius gelagert werden. »Diese Bedingungen machen es sehr schwer für unseren Kontinent, die Impfungen schnell zu bekommen«, sagte Nkengasong. Der Astrazeneca-Impfstoff sei wegen einfacheren Kühl-Vorgaben attraktiver für Afrika, allerdings sei dieser weniger effektiv. Eine weitere Schwierigkeit wird es sein, die Menschen in entlegenen Dörfern und Konfliktregionen zu erreichen. Daher ermahnt Nkengasong zur Geduld. «Wir müssen realistisch sein, dass wir erst Mitte nächsten Jahres die Impfungen wirklich nach Afrika kriegen.» In Afrika steht daher nun viel auf dem Spiel. Sollte nicht schnell genug ein ausreichend großer Teil der Bevölkerung geimpft werden, könnte das verheerende Langzeitfolgen haben. »Das letzte, was wir wollen, ist, dass Covid auf dem Kontinent zu einer endemischen Krankheit wird«, sagte Nkengasong - eine, dessen Ausrottung wie beim wilden Poliovirus Jahre oder gar Jahrzehnte dauert. Das wäre nicht nur für Afrika eine Bedrohung, sondern für die ganze Welt.

Entwicklungsorganisation One vergibt Biontech Fairness-Zeugnis

Die Entwicklungsorganisation One hat Pharmaunternehmen und Staaten zu einer weltweit gerechten Verteilung von Coronavirus-Impfstoffen aufgefordert. Den Hersteller Biontech rief die Organisation vergangene Woche auf, »die dafür notwendigen Schritte« zu unternehmen. In einem »Impffairness-Test« habe One sich die Verträge genauer angeschaut, die die G20-Staaten bisher mit Pharmafirmen gemacht hätten, hieß es einer Mitteilung, die der Deutschen Presse-Agentur vorlag. »Das deutsche Pharmaunternehmen Biontech schneidet dabei mit 1,2 von 15 möglichen Punkten sehr schlecht ab«, teilte One mit. »Die Pandemie endet nicht, wenn es einen Corona-Impfstoff gibt, sondern wenn alle Zugang zu diesem Impfstoff haben«, so Stephan Exo-Kreischer, Direktor von One Deutschland.

Biontech-Chef Ugur Sahin habe mehrfach betont, dass ein neuer Coronavirus-Impfstoff allen Menschen auf der ganzen Welt so schnell wie möglich zur Verfügung stehen solle. »Das Problem ist: Praktisch sehen wir davon nichts. Es wurden weder Preisnachlässe für Entwicklungsländer angekündigt noch eine Zusammenarbeit mit der internationalen Impfstoff-Initiative Covax«, so Exo-Kreischer. »Wir brauchen kein «Europe first», sondern den Blick fürs große Ganze.«

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