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Live-Talk mit Overwiening

Impfstoff-Vergütung ist eine politische Entscheidung

In einem Live-Talk hat die ABDA-Präsidentin Gabriele Regina Overwiening über die ersten Wochen, in denen Covid-19-Impfstoffe in die Offizin gelangen, Bilanz gezogen. Die Vergütungshöhe von 6,58 Euro je Vial bewertet sie vor dem Hintergrund der Masken-Abgabe als politische und nicht als fiskalische Entscheidung. Zudem hat sie die Notwendigkeit hervorgehoben, selbst für pharmazeutischen Nachwuchs zu sorgen.
Charlotte Kurz
20.04.2021  15:16 Uhr

Anfang März hatte die ABDA-Präsidentin Gabriele Regina Overwiening ihren ersten Live-Talk auf der Plattform Facebook veranstaltet. Mit diesem Format will sie sich direkt den Fragen von Apothekern, PTA und PKA stellen, um einen »barrierefreien Austausch« zwischen Apothekern und den standespolitischen Vertretern zu ermöglichen. Am heutigen Dienstag nahm sich die ABDA-Chefin ein zweites Mal eine halbe Stunde Zeit.

Als erstes zog Overwiening eine Bilanz der ersten Wochen, in denen Covid-19-Impfstoffe in mittlerweile 15.000 Apotheken gelangt sind. Apotheken seien hier eine wichtige »Schaltstelle« im Impf-Prozess. »Diese Funktion kriegen wir brillant hin«, sagte sie. Die Apotheken würden die Reibung zwischen den Arztpraxen und dem Großhandel verlässlich abfedern. Gerade im Hinblick auf die ständigen Änderungen beim Bestell-Prozess und des erhöhten Klärungsbedarfs mit den Arztpraxen sei die aktuelle Vergütung von 6,58 Euro netto je Durchstechflasche aber »deutlich zu wenig«, betonte Overwiening.

Die Vergütungshöhe ist in ihren Augen nicht als fiskalische, sondern als politische Entscheidung zu verstehen. Denn die Vergütung der Apotheker bei der Abgabe von Schutzmasken habe »große politische Wellen geschlagen«. Unter diesem Eindruck habe nun die Politik gestanden, als es um eine entsprechende Preisfindung bei der Impfstoff-Vergütung ging, so Overwiening. Hoffnungsvoll blickt sie jedoch auf den 17. Mai. Bis dahin soll die ABDA dem Bundesministerium für Gesundheit (BMG) Rückmeldung über den tatsächlichen Aufwand in der Offizin geben was die Impfstoff-Bestellung und Lieferungen betrifft. Entsprechende Formulare zu einer Rückmeldung habe die ABDA bereits in die Apotheken gegeben. Damit solle eine Korrektur der Vergütungshöhe erreicht werden, versprechen kann Overwiening jedoch nichts.

Das Thema Impfen in der Apotheke kam aber nur zum Thema Grippe-Impfungen auf. So seien alle Apothekerverbände und -kammern bereits auf dem Weg, böten Schulungen an und seien in Gesprächen mit Krankenkassen, um Modellprojekte zu initiieren. »Für die nächste Saison wird noch ein richtiger Schwung dazukommen.« Bezüglich möglicher Coronavirus-Impfungen in den Apotheken äußerte sich Overwiening nicht, hob aber die Arbeit der Apotheker und PTA in den Impfzentren hervor, die häufig die Rekonstitution der Impfstoffe übernähmen.

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