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Candidosen der Haut

Immer therapiebedürftig

Ob Mund- und Windelsoor oder Vaginalmykose: Oberflächliche Candida-Pilzinfektionen der Schleimhäute gehören zu den häufigsten Infektionskrankheiten des Menschen. Sie sind – konsequent und sachgemäß – zumeist erfolgreich auch im Rahmen der Selbstmedikation zu therapieren. Nicht zuletzt divergierende Erscheinungsformen einzelner Candidosen machen die kompetente pharmazeutische Beratung erforderlich.
Daniel Finke
22.04.2021  11:00 Uhr

Hefepilze sind natürlich vorkommende Pilze, die bei circa 60 bis 70 Prozent aller Menschen unter anderem in der Mundflora zu finden sind. Sie zählen jedoch zu den fakultativ pathogenen Erregern, da sie sich unter besonderen Bedingungen stark vermehren und dann zu Infektionen führen können.

Als prädisponierende Faktoren der Candidose gelten unter anderem Okklusionseffekte, also Quellung der Haut durch Feuchtigkeits- und Wärmestau insbesondere in Hautfalten, Störungen der lokalen oder systemischen Immunabwehr, Grunderkrankungen wie Diabetes mellitus oder Xerostomie sowie der Einsatz von Antibiotika, Anticholinergika oder inhalativen Glucocorticoiden.

Generell empfiehlt sich die ärztliche (Differential-)Diagnose und ein Erregernachweis, der die Wahl des am besten geeigneten Antimykotikums erlaubt. Für die Therapie einiger bekannter wiederholt auftretender Krankheitsbilder, so für die orale Candidose, den Windelsoor oder die Vaginalmykose, stehen auch Wirkstoffe zur erfolgreichen Selbstmedikation zur Verfügung (1, 2).

Orale Candidose

Die orale Candidose, die auch als Mundsoor bezeichnet wird, tritt vor allem bei Säuglingen in den ersten Lebensmonaten auf, da ihre Immunabwehr noch nicht voll entwickelt ist. Zudem wird sie bei Erwachsenen mit schweren oder chronischen Grunderkrankungen wie Diabetes mellitus oder malignen Krebserkrankungen sowie bei immungeschwächten Patienten zum Beispiel im Rahmen einer Chemo- oder Strahlentherapie beobachtet.

Hauptsymptome der akuten oralen Candidose sind weiße, abstreifbare, stippenförmige Belege auf der Mundschleimhaut und der Zunge mit einer darunter erkennbaren Rötung, die mit Blutungen einhergehen kann. Die einzelnen Stippen können auch zu einem weißen abstreifbaren Belag zusammenfließen (3).

Patienten berichten mitunter von einem starken Juckreiz auf den Schleimhäuten im Mund- und/oder Lippenbereich beziehungsweise im Rachenraum. Des Weiteren kann es vereinzelt zu gegebenenfalls auch schmerzenden Schwellungen und Schluckbeschwerden kommen. Werden diese oftmals von Geschmacksstörungen oder einem Pelzigkeitsgefühl auf der Zunge begleitet, so schränken viele Betroffene das Essen und Trinken ein (4).

Neben diesen akuten Erscheinungsformen lassen sich bei chronischen Candidosen weiße Läsionen auf den Schleimhäuten und dem Zungenrücken finden, die nicht einfach durch Abstreifen zu entfernen sind. Diese treten oft in Verbindung mit Mundwinkelrhagaden und Ödemen auf. Von der chronischen Form sind häufig Zahnprothesenträger betroffen, sodass hier auch von einer »Prothesen-Stomatitis« gesprochen wird (3, 4).

Infiziert sind insbesondere die Stellen im Mundraum, die im direkten Kontakt mit der Prothese sind. Betroffene klagen oft über Missempfindungen wie Schmerzen, Zungenbrennen und Geschmacksstörungen. Den Patienten muss auf jeden Fall geraten werden, den Sitz der Prothese vom Zahnarzt überprüfen und gegebenenfalls korrigieren zu lassen. Prothesen sollten zudem nach jeder Mahlzeit unter fließendem Wasser gereinigt oder mit antimykotischem Mundgel abgebürstet werden. Ebenso sollte auf heiße oder stark gewürzte Speisen verzichtet werden.

Können auch unkorrekte Inhalationstechniken inhalativer Glucocorticoide eine orale Candidose auslösen, so muss die Apotheke den Patienten durch entsprechende Schulungsmaßnahmen in die korrekte Handhabung einweisen, um dadurch bedingten Rezidiven Einhalt zu gebieten. So ist es ratsam, nach der Inhalation von Glucocorticoiden den Mundraum mit lauwarmem Wasser zu spülen oder, wenn dies nicht möglich ist, direkt nach der Inhalation etwas zu essen oder zu trinken.

Anhaftende Glucocorticoidrückstände werden entsprechend mit der Nahrung in den Magen gespült und lösen keine orale Candidose mehr aus. Gegebenenfalls muss für die korrekte Inhalation zu einer Inhalationshilfe geraten werden. Sollte erstmalig ein Inhalationssystem für einen Patienten verordnet worden sein, ist es sehr hilfreich, mit einem Demogerät die korrekte Inhalation in der Apotheke zu üben und den Patienten an sein neues Inhalationssystem heranzuführen (5).

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