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Blut im Stuhl
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Immer nach der Ursache fahnden

Sichtbares Blut auf dem Stuhl oder dem Toilettenpapier ist meistens alarmierend. Die Ursachen sind aber oft harmlos. Anders ist die Situation bei schwarzem Stuhl. Gastrointestinale Probleme, Nahrungs- oder Arzneimittel können hierfür verantwortlich sein. Das Apothekenpersonal sollte zum Arztbesuch raten.
AutorKontaktBarbara Staufenbiel
Datum 13.03.2025  09:00 Uhr

Therapie von Hämorrhoidalleiden

Basis jeglicher Therapie ist laut S3-Leitlinie »Hämorrhoidalleiden« (Stand 2019; in Überarbeitung) die bessere Stuhlregulation, Defäkation und Hygiene in der Analregion. Für die symptomatische Linderung kann das Apothekenpersonal maximal für sechs Wochen verschiedene Hämorrhoidalia empfehlen, allerdings ohne ausreichende Evidenz.

Salben oder Cremes für den äußeren Analbereich werden mehrmals täglich, idealerweise nach dem Stuhlgang mit dem Finger auf die gereinigte und trockene Haut aufgetragen. Suppositorien werden bevorzugt am Abend mit dem stumpfen Ende voran eingeführt. Lokalanästhetika wie Lidocain, Quinisocain oder Cinchocain (Rp) blockieren die Weiterleitung von Nervenreizen. In der Apotheke sollte auf mögliche Überempfindlichkeitsreaktionen hingewiesen werden.

Gerbstoffe (Hamamelis, Eichenrinde) dichten Hautirritationen ab; basisches Bismutgallat fördert die Wundheilung; Zinkoxid hat eine austrocknende Wirkung. Eine Linderung verschaffen auch zwei- bis dreimal wöchentliche Sitzbäder von 10 bis 15 Minuten Dauer mit Gerbstoffen oder Kamille. NSAR reduzieren heftige Schmerzen. Kräuter aus der Traditionellen Chinesischen Medizin können, so die Leitlinie, Hämorrhoidalblutungen stillen, aufgrund der schwachen wissenschaftlichen Evidenz allerdings ohne Empfehlung.

Pflegesalben mit Jojoba- oder Bienenwachs, Zinkoxid oder ätherischen Ölen bilden einen Schutzfilm auf der irritierten Haut. Der Arzt verordnet bei heftigeren Beschwerden Corticosteroide wie Flucortolon, Hydrocortison oder Prednisolon.

Nebenwirkung schwarzer Stuhl

Eine Reihe von Arzneimitteln hat die häufige bis sehr häufige Nebenwirkung gastrointestinale Blutung (Tabelle). Die Ursachen hierfür sind verschieden.

Nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR) hemmen die Cyclooxygenasen 1 und 2. Durch die Hemmung der Cox 2 nimmt die Bildung der für Entzündungsreaktionen benötigten Prostaglandine und Thromboxane ab. Somit lassen Schmerzen und Entzündung nach. Durch die Hemmung von Cox 1 werden weniger Prostaglandine gebildet, die die Gefäße erweitern, die Sekretion von Magenschleim und Bicarbonat fördern und so eine Schutzbarriere gegen Säureschäden bilden. Mit sinkender Prostaglandin-Expression nimmt der Schutz der Magenschleimhaut ab.

Wirkstoff Art der gastrointestinalen Blutung
NSAR
Acetylsalicylsäure häufig: Mikroblutungen im Gastrointestinaltrakt
Diclofenac sehr häufig: geringe Magen-Darm-Blutungen
häufig: gastrointestinale Ulzera mit oder ohne Blutung
selten: Teerstuhl
Ibuprofen häufig: geringfügige Magen-Darm Blutungen mit dem Risiko einer Anämie
Indometacin gelegentlich: Gastritis, Teerstuhl, blutiger Durchfall, Bluterbrechen
Coxibe
Celecoxib, Etoricoxib selten: Ösophagus- und gastrointestinale Blutungen, Teerstuhl
Cumarine
Phenprocoumon sehr häufig: Blutungen in verschiedenen Organen, Teerstuhl
DOAK
Apixaban häufig: gastrointestinale Blutungen
gelegentlich: Hämatochezie
Dabigatran, Edoxaban, Rivaroxaban häufig: gastrointestinale Blutungen
ADP-Rezeptorblocker
Clopidogrel, Ticagrelor häufig: gastrointestinale Blutungen
Prasugrel häufig: gastrointestinale Blutungen
gelegentlich: Blutstuhl
(niedermolekulare) Heparine
Dalteparin selten: Teerstuhl
Enoxaparin häufig bis sehr häufig: gastrointestinale Blutungen
Heparine häufig: gastrointestinale Blutungen
selten: Teerstuhl
Tabelle: Wirkstoffe mit der Nebenwirkung gastrointestinale Blutung

Das Risiko für Magen-Darm-Blutungen hängt ab von Dosisbereich, Anwendungsdauer und Komedikation (Glucocorticoide, SSRI, Antikoagulanzien). Daher wird bei längerer oder höher dosierter NSAR-Gabe ein PPI als Magenschutz verordnet. Da Coxibe wie Celecoxib überwiegend die Cox 2 hemmen, ist ihr Blutungsrisiko deutlich geringer. Wird zusätzlich jedoch niedrig dosiertes ASS zur Thromboseprophylaxe eingesetzt, steigt das Risiko für gastrointestinale Blutungen wieder.

Bei einer Medikationsanalyse sollten Apotheker vor allem bei älteren Personen die längerfristige NSAR-Gabe hinterfragen, denn mit dem Alter steigt das Risiko für gastrointestinale Blutungen. Diese Zusammenhänge sollte man dem Patienten erklären, denn viel zu oft werden kostengünstige NSAR eingesetzt.

Vitamin-K-Antagonisten, direkte orale Antikoagulanzien (DOAK) oder Heparine verringern über verschiedene Wirkmechanismen die Blutgerinnung. Dies schützt vor Thrombusbildung und damit vor schwerwiegenden Ereignissen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall, erhöht aber insgesamt die Blutungsneigung im Körper.

Arzneimittel wie Eisen, Bismut oder Aktivkohle färben den Stuhl grau-schwarz, sodass dieser wie ein Teerstuhl aussehen kann. Da kann das Apothekenpersonal beruhigen. Da Eisen die Magenschleimhaut reizt, kann dies in seltenen Fällen Blutungen verursachen. Bei der Abgabe eines Eisen-haltigen Arzneimittels sollte das Apothekenteam zu den Einnahmemodalitäten beraten. Zwar erreicht man die ideale Bioverfügbarkeit bei Nüchterneinnahme mit einem Glas Orangensaft, jedoch kann der Patient das Eisenpräparat bei Unverträglichkeiten auch zum Essen einnehmen.

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