LAV-Präsidentin Tatjana Zambo mahnt eine Honorarerhöhung an. / © LAV Baden-Württemberg
Der Verband begrüße insbesondere, dass Apotheken künftig zusätzliche Leistungen wie Präventionsangebote, Schnelltests sowie ein erweitertes Impfangebot und Blutentnahmen nach entsprechender Qualifikation anbieten dürfen. Dadurch würden Patientinnen und Patienten schneller versorgt und Arztpraxen spürbar entlastet.
Die Kritik, die aus Teilen der Ärzteschaft an dieser Leistungsausweitung geäußert wurde, weist der Apothekerverband zurück. »Der Vorwurf, Apothekerinnen und Apotheker seien für diese Aufgaben nicht qualifiziert, geht an der Realität vorbei«, meint Zambo. »Niemand spricht davon, ärztliche Diagnosen zu ersetzen. Es geht um klar definierte, standardisierte Leistungen, die die Versorgung sinnvoll ergänzen und sicher machen«, betont die Verbandspräsidentin.
Der Apothekerverband Baden-Württemberg warnt davor, die Reform ohne eine nachhaltige wirtschaftliche Stabilisierung der Apotheken umsetzen zu wollen. »Die Reform kann nur funktionieren, wenn die Politik jetzt auch die finanzielle Grundlage der Apotheken stärkt. Seit mehr als dreizehn Jahren wurde das Fixhonorar nicht ausreichend angepasst, während Kosten für Personal, Energie und Infrastruktur massiv gestiegen sind.«
Der Verband fordert deshalb die Bundesregierung auf, die zugesagte Erhöhung des Apothekenhonorars auf 9,50 Euro pro verschreibungspflichtiger Arzneimittelpackung nun schnell, vollständig und in einem Rutsch umzusetzen. Ähnliche Kritik kam auch aus Seite des Verbands innovativer Apotheken (Via) und der Gewerkschaft Adexa. Auch ABDA-Präsident Thomas Preis warnte vor einer Verzögerung bei der Honorarerhöhung.
Die Landesapothekerkammer Brandenburg hat sich zu der jüngsten Kritik der gesetzlichen Krankenkassen (GKV) an der Erhöhung des Fixums geäußert. »Wer von ›Geschenken‹ an Apotheken spricht, verschweigt bewusst die wirtschaftliche Lage vieler Betriebe und die enormen Verwaltungsausgaben der Krankenkassen selbst«, erklärt Hansjörg Fabritz, Vizepräsident der Landesapothekerkammer Brandenburg.
»Seit 2008 versorgen über 4.000 Apotheken weniger. 2025 war erneut ein Rekordjahr bei Apothekenschließungen. Rein rechnerisch verschwindet inzwischen nahezu jeden Tag eine Apotheke in Deutschland. Wer jetzt von einer ›Gießkanne‹ spricht, ignoriert die strukturelle Krise der wohnortnahen Versorgung«, mahnt Fabritz mit Blick auf das Statement von Stefanie Stoff-Ahnis, stellvertretende Vorstandsvorsitzende des GKV-Spitzenverbandes.
Die Behauptung, das ApoVWG würde die Versorgung »nur teurer, aber nicht besser« machen, verkenne die tatsächliche Funktion wohnortnaher Apotheken, so die Kammer. Auch die Diskussion um Biosimilars greife zu kurz. »Gesundheitspolitik darf sich nicht allein an Rabattverträgen orientieren«, so die Kammer.
Das ApoVWG sei kein »Geschenk«, sondern »eine längst überfällige Stabilisierung eines zentralen Pfeilers der Gesundheitsversorgung«, so Fabritz. Der Bundesrat könnte sich am 12. Juni mit dem Gesetz befassen.