Glycopyrronium als Lösung zum Einnehmen ist eines der wenigen zur Behandlung von Sialorrhö zugelassenen Medikamente. / © Shutterstock/Troyan
▶ Glycopyrrolat (Glycopyrroniumbromid)
ist ebenfalls ein nicht selektiver Antagonist der Muskarinrezeptoren. Die quartäre Ammoniumverbindung durchdringt die Blut-Hirn-Schranke nicht. Zentralnervöse Nebenwirkungen sind daher wenig ausgeprägt. Weiterhin zeigt es geringere kardiale Nebenwirkungen (1). Glycopyrronium ist als Lösung zum Einnehmen zur Behandlung von Sialorrhö bei Kindern ab drei Jahren und Jugendlichen mit chronischen neurologischen Erkrankungen zugelassen. In der Praxis wird es auch subkutan appliziert (Off-Label-Use). Die Applikation erfolgt alle acht oder zwölf Stunden.
Aufgrund der Zulassung in der Pädiatrie und des günstigen Nebenwirkungsprofils gilt Glycopyrronium oft als medikamentöse Therapie erster Wahl. Bei Erwachsenen wird es bei Patienten mit ALS, Parkinson-Krankheit, Zerebralparese oder -läsionen sowie bei Tumorpatienten und Clozapin-induzierter Sialorrhö angewendet (14, 16, 31–33).
▶ Butylscopolamin (Hyoscin- oder Scopolaminbutylbromid)
hat ebenfalls ein geringes Potenzial für zentralnervöse Nebenwirkungen. Die publizierte Evidenz bezieht sich auf die antisekretorische Wirkung bei terminaler Rasselatmung. Der Wirkstoff wird hier in der Regel subkutan appliziert. Eine orale Anwendung wird wegen der schlechten Bioverfügbarkeit nicht empfohlen. Auch bei Clozapin-induzierter Sialorrhö wird Butylscopolamin eingesetzt (34).
▶ Ipratropiumbromid
hat eine hohe Affinität zu M1-, M2- und M3-Rezeptoren. Die Lösung wird sublingual verabreicht. Über eine intranasale Anwendung abends vor dem Schlafengehen bei Clozapin-induzierter Sialorrhö wurde berichtet. In der Praxis wird Ipatropiumbromid ebenfalls bei Patienten mit Parkinson-Krankheit und ALS angewendet.
▶ Tiotropiumbromid
wirkt anticholinerg durch die Blockade muskarinerger Acetylcholinrezeptoren an den Speicheldrüsen. Die Applikation erfolgt lokal: Die Lösung wird in die Mundhöhle gesprüht. Es gibt jedoch keine publizierte Evidenz für den antisekretorischen Einsatz. In der Palliativversorgung wird Tiotropiumbromid aufgrund der strukturellen Ähnlichkeit zu anderen quartären Ammoniumverbindungen eingesetzt, wenn andere medikamentöse Therapien weniger geeignet sind oder sich die Symptome nicht gebessert haben.
Wenn Ärzte Medikamente außerhalb der Zulassung verordnen, müssen sie die Patienten sehr genau über den Off-Label-Use aufklären. / © Shutterstock/PeopleImages