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Sialorrhö
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Hoch belastend und bedrohlich

Übermäßiger Speichelfluss belastet die Betroffenen und ihre Angehörigen erheblich. Apotheker können ihnen wertvolle Hilfe geben – gerade, weil die Medikamente bei Hypersalivation überwiegend off Label eingesetzt werden. Eine umfassende Beratung stärkt auch die Arzneimitteltherapiesicherheit.
AutorKontaktAleksandra Dukic-Ott
AutorKontaktStefanie Pügge
Datum 01.03.2026  08:00 Uhr

Arzneimittelinduzierte Sialorrhö

In Tabelle 1 sind Arzneimittel aufgeführt, die eine »echte« Hypersalivation auslösen können.

Die Parasympathomimetika Pilocarpin und Bethanechol stimulieren die Speicheldrüsen über muskarinerge Rezeptoren. Diese pharmakologische Eigenschaft wird genutzt, um arzneimittelinduzierte Mundtrockenheit zu behandeln (off Label). Pilocarpin-Tabletten sind außerdem zur Linderung der Symptome einer Speicheldrüsenunterfunktion bei Patienten mit erheblicher Xerostomie infolge einer Bestrahlung bei Kopf-/Halstumoren sowie zur Behandlung von Mund- und Augentrockenheit bei Patienten mit Sjögren-Syndrom zugelassen (Kasten). Pilocarpin wird palliativmedizinisch off Label bukkal angewendet, um systemische Nebenwirkungen zu minimieren. Auch Bethanechol wird zur Prophylaxe radiogener Xerostomie therapeutisch off Label eingesetzt (13).

Klasse Beispiele
direkte Parasympathomimetika Bethanechol, Pilocarpin
indirekte Parasympathomimetika Cholinesterase-Inhibitoren Neostigmin, Pyridostigmin
Donepezil, Galantamin, Rivastigmin
Antipsychotika Haloperidol
atypische Antipsychotika: Clozapin, Risperidon, Olanzapin
Sedativa Benzodiazepine
Tabelle 1: Arzneimittel, die eine Hypersalivation verursachen können; nach (3)

Indirekte Parasympathomimetika und Inhibitoren der Acetylcholinesterase können Sialorrhö als Nebenwirkung verursachen. Diese scheint jedoch klinisch weniger relevant zu sein (3).

Die Mechanismen einer Hypersalivation als Nebenwirkung von Antipsychotika sind vielfältig. Einerseits kann die antidopaminerge Wirkung eine Reduktion der Schluckfrequenz verursachen. Weitere Mechanismen basieren auf der Blockade von α₂-adrenergen Rezeptoren und einer direkten agonistischen Wirkung auf cholinerge M3- und M4-Rezeptoren (3).

Clozapin, ein prominenter Wirkstoff der »atypischen« Antipsychotika, ist für Patienten mit therapieresistenter Schizophrenie zugelassen. Neben Sedierung ist Sialorrhö eine sehr häufige gemeldete Nebenwirkung, die zu etwa 85 Prozent nachts vorkommt. Der pathophysiologische Mechanismus, der zur Clozapin-induzierten Sialorrhö führt, ist sehr komplex und noch nicht vollständig geklärt (14).

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