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Zoonosen
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Hautkrankheiten vom Haustier

Pathogene können vom Tier auf den Menschen übergehen. Einige lösen Dermatosen aus. Viele verlaufen selbstlimitierend, andere müssen behandelt werden.
AutorKontaktNicole Schuster
Datum 14.05.2023  08:00 Uhr

Füchse als Milben-Überträger

Eine weitere Milbenart, die auf den Menschen übergehen kann, sind die Sarcoptes-Milben. Die Grabmilben bohren bis zu 1cm tiefe Gänge in die Haut und legen dort ihre Eier ab. Die Räudemilbe Sarcoptes scabiei var. canis ist in Fuchspopulationen verbreitet. Hunde können sich bei Begegnungen mit Füchsen anstecken oder wenn sie mit Milben in Kontakt kommen, die ein Fuchs zuvor abgestreift hat. Sie erkranken an der hoch ansteckenden Sarcoptes-Räude (29).

Der Mensch ist für die Milben eine parasitäre Sackgasse, da sie sich auf ihm nicht fortpflanzen können. Die Betroffenen entwickeln eine »Pseudo-Krätze«, die sich zurückbildet, wenn der Körperkontakt mit dem Tier unterbrochen wird. Den starken Juckreiz können sie symptomatisch mit topischen Antihistaminika oder Glucocorticoiden lindern.

Um eine erneute Ansteckung zu vermeiden, ist eine Quellensanierung erforderlich, am besten beim Tierarzt. Leben mehrere Tiere im Haus, sollten sie simultan mitbehandelt werden. Damit sich Hunde in Regionen mit gemeldeten Fuchsräude-Fällen gar nicht erst anstecken, sollten Halter sie an der Leine führen und auf den ausgewiesenen Waldwegen bleiben (24–29).

Tierpocken beim Menschen

Der Erreger der »echten« Pocken, das Variolavirus, gilt seit Ende der 1980er-Jahren als eradiziert. Die übrigen Orthopoxviren haben ein breites Wirtsspektrum und werden zum Beispiel als Kuh-, Affen-, Katzen-, Elefanten- oder Kamelpocken bezeichnet (Tabelle). Bei abwehrgeschwächten Menschen können sie schwere und gelegentlich letal verlaufende Erkrankungen hervorrufen. Zahlen zur Inzidenz liegen nicht vor.

Orthopoxviren (WHO-Abkürzung) Tierische Reservoirs Geografische Verbreitung Mensch-zu-Mensch-Übertragung Nosokomiale Übertragung Merkmale zusätzlich zum Pockenvirus-Syndrom
Akhmetavirus kleine Säugetiere, Rinder Georgien nicht gemeldet nicht gemeldet
Alaskapox (AK2015-poxvirus) kleine Säugetiere Alaska nicht gemeldet nicht gemeldet
Büffelpockenvirus (BPXV) Büffel, Rinder Indien, Pakistan (unbestätigt) + + Läsionen, die in der Regel auf die Hände beschränkt sind, axilläre und inguinale Lymphadenopathie, Läsionen der Mundschleimhaut nach dem Verzehr der Milch von infizierten Tieren
Kuhpockenvirus (CPXV) häufig Katzen, Nagetiere, selten Rinder, Pferde weltweit + nicht gemeldet früher verwendet für die Pocken­impfung (vor Vacciniavirus)
Affenpockenvirus (MPXV) Reservoir unbekannt, wahrscheinlich Nagetiere, insbesondere Eichhörnchen, und kleine Säugetiere, die für Buschfleisch gejagt werden Zentral- und Westafrika, eingeschleppt in die Vereinigten Staaten + + zervikale, submandibuläre und inguinale Lymphadenopathie
Vacciniavirus (VACV) Rinder, Nagetiere, Menschen weltweit, neue pathogene Stämme in Brasilien und Kolumbien + + verwendet für die Pockenimpfung bis zur Ausrottung (bis 1980)
Variolavirus (Smallpox) Menschen Lagerbestände biologischer Waffen weltweit + +
Tabelle: Einige Orthopoxviren, die von Tieren auf Menschen übertragen werden können, und ihre Gefahr für den Menschen (51)

Die Übertragung von Kuhpocken erfolgt heute in erster Linie über Katzen, die sich häufig über Nager infizieren. Da die Nagerpopulationen im Herbst ihren Höhepunkt erreichen, sind zu dieser Jahreszeit die meisten Fälle zu verzeichnen. Nach einer Inkubationszeit von acht bis zwölf Tagen bilden sich Effloreszenzen, die verschiedene Stadien von Papeln über Vesikel und Pusteln bis hin zu purulenten und hämorrhagischen Ulzerationen durchlaufen. Neben Allgemeinsymptomen schwellen die Lymphknoten der betroffenen Areale an. Nach einer Krankheitsdauer von etwa zwei Wochen klingen die Symptome in der Regel ab. Bei immunkompromittierten Patienten sind schwere Verläufe mit Todesfolge möglich.

Meistens wird rein symptomatisch behandelt. Patienten decken offene Hautwunden ab, bis der infektiöse Schorf abgefallen ist. Das verhindert Schmierinfektionen. Antibiotika können Sekundärinfektionen der Hautläsionen verhindern.

Bei HIV-infizierten Menschen kann Cidofovir eine Option sein. Das azyklische Nukleosidphosphat hemmt die DNA-Polymerase verschiedener DNA-Viren. Der Wirkstoff muss intravenös appliziert werden und bringt starke Nebenwirkungen mit sich. Daher setzen Ärzte ihn nur in Ausnahmefällen ein. Schwangere dürfen damit gar nicht behandelt werden. Frauen im gebärfähigen Alter müssen während der Behandlung und einen Monat im Anschluss daran zuverlässig verhüten. Männer sollen während und bis drei Monate nach der Behandlung mit Cidofovir Barrieremethoden zur Verhütung anwenden (30–34).

Ende 2022 erhielten die Pocken als Zoonose besondere Aufmerksamkeit. Auslöser waren die Affenpocken, die seit einer Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als »Mpox« bezeichnet werden sollten. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist bei engem Kontakt möglich. Die Erkrankung verläuft beim Menschen meist deutlich milder als die klassischen Pocken. Charakteristisch sind die mitunter sehr schmerzhaften Hautveränderungen, die verschiedene Stadien durchlaufen und ohne Behandlung von selbst abheilen, wobei Narben zurückbleiben. Komplikationen durch eine bakterielle Superinfektion sind möglich. Allerdings können schwere Verläufe bei Kindern oder Menschen mit geschwächtem Immunsystem auftreten.

Die Therapie erfolgt in erster Linie symptomatisch. Ein Arzneimittel zur spezifischen oralen Behandlung von Orthopockenvirus-Infektionen wurde kürzlich in der Europäischen Union auch zur Behandlung von Mpox zugelassen. Tecovirimat ist in Deutschland nur begrenzt verfügbar. Wegen des hohen Verwandtschaftsgrades der Viren wirkt auch der klassische Pockenimpfstoff gegen Mpox (35–37).

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