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Zoonosen
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Hautkrankheiten vom Haustier

Pathogene können vom Tier auf den Menschen übergehen. Einige lösen Dermatosen aus. Viele verlaufen selbstlimitierend, andere müssen behandelt werden.
AutorKontaktNicole Schuster
Datum 14.05.2023  08:00 Uhr

Gefahr für Aquarienbesitzer

Wenn Menschen, die im Beruf oder Hobby viel Kontakt mit Wasser haben, von schlecht heilenden Wunden berichten, kann eine Infektion mit Mycobacterium marinum vorliegen. Das Stäbchenbakterium ist ein opportunistischer Erreger, der sowohl in Salz- als auch in Süßwasser und in Aquarien vorkommt. Er kann über kleine Verletzungen in die Haut eindringen. Angaben zur Inzidenz in Deutschland gibt es nicht.

Das größte Risiko haben Aquarienbesitzer. Sie können sich infizieren, wenn sie mit bloßen Händen und Hautwunden ihr Aquarium reinigen oder das Wasser wechseln. Infektionen sind ebenso möglich, wenn Menschen mit beschädigter Haut Meeresfrüchte oder Fische zubereiten. Das Übertragungsrisiko in chloriertem Wasser in Schwimmbädern ist indes gering. Die als Aquarium- oder Schwimmbadgranulom bezeichnete Krankheit ist nicht von Mensch zu Mensch übertragbar. In den meisten Fällen erkranken Erwachsene jüngeren oder mittleren Alters, selten Kinder.

Die Inkubationszeit kann Wochen, aber auch mehrere Monate andauern. Es entwickeln sich erythematöse Plaques und Knoten, die zu Hyperkeratose, Verkrustung und oberflächlichen Ulzerationen neigen. Die Hautläsionen treten bevorzugt an akralen Körperstellen wie Finger, Hand- und Fußrücken, Ellbogen oder Knie auf. Diese kühleren Bereiche bevorzugt der Erreger, da er bei 25 bis 35 °C optimal wachsen kann. Als weiteres Symptom kann sich eine knotige Lymphangitis entwickeln.

Bei Immunsupprimierten kann sich die Infektion mit M. marinum auf Subkutis, Gelenke und Knochen ausbreiten. Hier sollte das Apothekenteam besonders an Patienten unter immunsuppressiver Pharmakotherapie denken. Schon 2011 gab es Hinweise, dass in der Dermatologie zunehmend mit infektiösen Komplikationen während der Behandlung mit Biologika gerechnet werden müsse (17–20).

Langwierige Behandlung

Das Aquariumgranulom kann innerhalb von einem bis zwei Jahren spontan abheilen. Dabei können Narben zurückbleiben. Eine Therapie ist wichtig, damit Keime nicht verschleppt werden und die Infektion nicht in tiefere Gewebe fortschreitet. Da die Krankheit selten ist und die Symptome vielgestaltig sind, diagnostizieren Ärzte sie aber oft erst spät.

Eine Monotherapie kann bei oberflächlichen kutanen Läsionen ausreichen. Clarithromycin gilt als First-line-Therapie (zweimal 500 mg/Tag peroral); Doxycyclin und Cotrimoxazol zählen zu den Alternativen. Bei schweren Infektionen oder immunsupprimierten Patienten ist eine perorale Kombinationstherapie angezeigt. Möglich ist zum Beispiel Rifampicin (einmal 600 mg/Tag) plus Ethambutol und eventuell zusätzlich noch Clarithromycin (zweimal 500 mg/Tag). Resistenzen können die Behandlung erschweren. Die Therapiedauer beträgt je nach Schweregrad und Abwehrlage des Patienten drei bis zwölf Monate.

Vorbeugend kann das Apothekenteam raten, den Kontakt mit Wasser zu meiden, wenn die Haut Abschürfungen oder Schnittwunden aufweist. Wer trotz Verletzungen in oder mit Wasser arbeiten muss, sollte die Wunden mit wasserdichten Verbänden abdecken. Bei der Aquarienpflege schützen Handschuhe (17–20).

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