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Covid-19-Impfkampagne

Hälfte der Bevölkerung ist einmal geimpft

Allerdings wirkt keine Impfung zu 100 Prozent, Ansteckungen und zumindest leichtere Erkrankungen sind weiterhin möglich – sie sind nur wesentlich unwahrscheinlicher. Varianten können zudem durch Erbgutveränderungen Eigenschaften erlangt haben, die es ihnen ermöglichen, Antikörpern von Geimpften und Genesenen zu entgehen. In der Fachsprache heißt das Immunescape (Immunflucht). Beobachtet wird das etwa bei Beta (B.1.351), Gamma (P.1) und Delta (B.1.617). Der Immunschutz wird nicht komplett ausgeschaltet, ist aber merklich vermindert.

Die derzeit in Deutschland dominierende Variante Alpha (B.1.1.7) hat die Eigenschaft, ansteckender zu sein. Wie eine «Science»-Studie kürzlich zeigte, scheiden damit Infizierte etwa zehnmal mehr Virus aus als Menschen, die sich mit Vorgängerversionen ansteckten. Auch das ist für den Impfschutz bedeutsam, wie Watzl erläutert: «Wie gut der Schutz ausfällt, hängt nicht nur vom Immunsystem des Einzelnen ab, sondern auch von der Menge an Virus, der man ausgesetzt ist.»

Zudem hat sich gerade bei immungeschwächten Menschen, etwa nach Organtransplantation oder mit Krebs - gezeigt, dass die Impfung nicht so gut anschlägt. Watzl rechnet in diesen Gruppen mit Drittimpfungen bereits im Herbst. Nach Zahlen, die das Bundesgesundheitsministerium im Mai bekanntgab, steckten sich bisher rund 13.000 Menschen an, die bereits voll geimpft waren. Die Zahl klingt hoch, aber in Relation zur Gesamtzahl der bis dahin komplett Geimpften waren nur 0,16 Prozent betroffen. Auch war bei den Zahlen nicht klar, ob die Infektion bei vollem Impfschutz auftrat (also mehr als 14 Tage nach der zweiten Impfung) oder in den Tagen davor.

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