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Covid-19
Gute Nachrichten für MS-Patienten

Welche MS-Medikamente senken das Covid-19-Risiko?

In Zusammenarbeit mit dem Vorsitzenden des Ärztlichen Beirats des DMSG-Bundesverbandes, Professor Dr. Ralf Gold, erstellt Haas regelmäßig aktualisierte Empfehlungen zum Thema Coronavirus und Multiple Sklerose auf www.dmsg.de.

Basistherapie vieler Patienten sind nach wie vor Interferone. Sie gelten nicht als immunsuppressiv, sie erhöhen also nicht grundsätzlich das Infektionsrisiko. »Weltweit stufen MS-Experten diese Therapie daher auch vor dem Hintergrund der SARS-CoV-2-Pandemie als unbedenklich ein«, teilen die Fachgesellschaften mit. Gleiches gelte für Glatirameracetat (GA). »Auch Natalizumab, der erste monoklonale Antikörper, der vor 15 Jahren zur MS-Therapie zugelassen wurde, scheint nach Einschätzung internationaler Experten nicht mit einem erhöhtem Corona-Risiko einherzugehen und ist daher ein Mittel der Wahl, wenn Patienten in der aktuellen Situation bei aktiver MS eine intensivere Therapie benötigen«, heißt es weiter.

Schützen vor einer Covid-19-Erkrankung könnte ein ebenfalls häufig verordnetes Basismedikament: »Teriflunomid (Aubagio®) beispielsweise ist bekannt dafür, dass es die Replikation bestimmter Viren reduziert. Ein Wirkstoff dieser Klasse (sogenannte DHODH-Inhibitoren) wird gegenwärtig sogar deswegen bei Covid-19-Patienten getestet«, erklärt Professor Dr. Heinz Wiendl, Sprecher des Kompetenznetzes Multiple Sklerose (KKNMS), Vorstandsmitglied im Ärztlichen Beirat der DMSG und Direktor der Klinik für Neurologie mit Institut für Translationale Neurologie an der Westfälischen Universität Münster. »Dieses protektive Potenzial könnte auch bei SARS-CoV-2 zum Tragen kommen.« DHODH steht für das Enzym Dihydroorotat-Dehydrogenase in den Mitochondrien. Durch Teriflunomid wird die Proliferation von autoreaktiven T- und B-Zellen reduziert, die auf die Neusynthese von Pyrimidin angewiesen sind.

Von Fingolimod (Gilenya®) und Siponimod (Mayzent®) sei bekannt, dass bestimmte Infektionen häufiger auftreten. Insbesondere die Kontrolle der Gruppe von Herpesviren könne beeinträchtigt sein. »Begründet durch den Wirkmechanismus könnte Fingolimod aber auch einen positiven Effekt auf Covid-19 haben«, vermuten die Fachgesellschaften. Der Sphingosin-1-Phosphat-Rezeptormodulator hemmt den Übertritt von Lymphozyten aus den Lymphknoten ins Blut und in das zentrale Nervensystem. Derzeit untersuche eine Studie, ob der selektiv immunsuppressive Arzneistoff ein akutes Lungenversagen bei Covid-19-Patienten mit schwerem Verlauf verhindern kann.

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