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Covid-19

Gute Nachrichten für MS-Patienten

Zum Welt-MS-Tag betonen die Fachgesellschaften, dass Patienten mit multipler Sklerose unter ihrer Immuntherapie kein höheres Risiko für eine Coronavirus-Infektion haben. Einige MS-Medikamente könnte sogar vor einer Infektion oder einem schweren Covid-19-Verlauf schützen.
Daniela Hüttemann
29.05.2020
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»Miteinander stark« heißt das Motto des Welt-MS-Tags am 30. Mai. Und auch wenn die Betroffenen dieses Jahr nicht wie geplant auf zahlreichen Events mit Ärzten ins Gespräch kommen können, sollen sie nicht in die Isolation geraten. »In diesem Jahr sind die Präsenz-Veranstaltungen im ganzen Land durch Webinare, Telefonhotlines, virtuelle Arzt-Sprechstunden in der DMSG-Plattform MS Connect, eine Online-Kampagne und einen Spendenlauf mit Distanz ersetzt worden«, erklären die veranstaltende Deutsche MS-Gesellschaft (DMSG) sowie das Kompetenznetz Multiple Sklerose und die Deutsche Gesellschaft für Neurologie in einer gemeinsamen Mitteilung. Der Schutz vor Covid-19 bewege MS-Erkrankte und Forscher in der ganzen Welt.

Viele MS-Patienten befürchten, dass ihre Medikation ihr Risiko für eine Infektion mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 oder einen schweren Krankheitsverlauf von Covid-19 erhöht. »Wir können zum jetzigen Zeitpunkt konstatieren, dass MS-Therapien nicht zwingend mit einem höheren ‚Corona-Risiko‘ verbunden sind, einige könnten möglicherweise sogar schützen. Wir denken, das ist eine wichtige positive Botschaft, die wir zum Welt-MS-Tag teilen möchten«, so Professor Dr. Peter Berlit, Generalsekretär der DGN. »Die momentan bekannte Zahl der in Deutschland infizierten MS-Patienten liegt deutlich unter dem statistisch erwarteten Wert und unterstützt die Annahme, dass kein primär erhöhtes Infektionsrisiko aufgrund der MS besteht«, erklärt Professor Dr. Judith Haas, Vorsitzende des DMSG-Bundesverbands.

Ist die MS schon weiter fortgeschritten und liegt eine stärkere Behinderung vor, wenn der Patienten zum Beispiel bettlägerig oder auf einen Rollstuhl angewiesen ist, sei jedoch generell das Risiko für eine Atemwegsinfektion erhöht. Das bedeute zwar nicht, dass das Infektionsrisiko für Covid-19 höher ist als bei Gesunden, aber das Risiko, bei einem Kontakt mit dem Coronavirus schwer zu erkranken, ist höher.

»MS-Erkrankte, die aufgrund einer immunsuppressiven Therapie, auch wenn diese länger zurückliegt, noch einen Immundefekt haben, könnten theoretisch ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf einer Covid-19-Erkrankung haben«, schränkt Haas mit Blick auf erste Studien aus Italien und Schweden  ein. Es liefen weltweite Erhebungen zu dieser Frage, an denen auch die DMSG beteiligt sei. »Wir werden in unseren Empfehlungen und in weiteren Experten-Interviews zum Thema Covid-19 und Multiple Sklerose darüber berichten.«

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