Pharmazeutische Zeitung online Avoxa
whatsApp instagram facebook bluesky linkedin xign

Pharmastandort
-
GSK will Impfstoffwerk Dresden schließen

Der Pharmakonzern GlaxoSmithKline will seinen Standort in Dresden nach Angaben der Gewerkschaft IGBCE bis 2028 schließen. Was heißt das für die mehr als 600 Mitarbeiter?
AutorKontaktdpa
AutorKontaktPZ
Datum 10.09.2026  16:20 Uhr

Der Pharmakonzern GlaxoSmithKline (GSK) will seinen Standort in Dresden nach Angaben der Gewerkschaft Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) bis 2028 schließen. Betroffen seien rund 640 Arbeitsplätze, wie es in einer Mitteilung der Gewerkschaft hieß. Demnach wurde die Belegschaft am Donnerstag über die Pläne informiert. Die Gewerkschaft kündigte entschiedenen Widerstand an. Das Unternehmen war zunächst nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

GSK produziert im Dresdner Werk Impfstoffe gegen Grippe und Hepatitis. Nach früheren Angaben des Unternehmens werden pro Woche zwei Millionen Impfdosen produziert.

Mit der Schließung droht Sachsen hoch qualifizierte Industriearbeitsplätze und Deutschland wichtige pharmazeutische Produktionskompetenz zu verlieren, wie die IGBCE weiter mitteilte. »Diese Nachricht trifft uns bis ins Mark«, sagte Peter Mißbach, Betriebsratsvorsitzender am GSK-Standort Dresden. »Wir werden geschlossen, laut und entschlossen für unsere Arbeitsplätze kämpfen.«

Laut Gewerkschaft sind inzwischen in Sachsen 4.250 Arbeitsplätze in der Branche verloren gegangen. Sie forderte das Unternehmen auf, die Schließungspläne auszusetzen, die Entscheidungsgrundlagen offenzulegen und mit Betriebsrat und Gewerkschaft ernsthaft über Alternativen zu verhandeln. Von Bund und Freistaat werde ein gemeinsamer Standortgipfel erwartet.

Schenk: »Ein schwerer Schlag für Dresden«

Die angekündigte Schließung nannte der EU-Abgeordnete Oliver Schenk »einen schweren Schlag für Dresden«. Sie sei ein »europäisches Warnsignal«. 

»Wir arbeiten mit dem Critical Medicines Act gerade daran, die Arzneimittel- und Impfstoffproduktion in Europa zu stärken und unsere Abhängigkeit von Drittstaaten zu verringern. Wir können nicht über pharmazeutische Souveränität und Versorgungssicherheit reden und gleichzeitig bestehende Produktionskapazitäten und jahrzehntelanges Know-how in Europa verlieren«, so der CDU-Politiker.

Er forderte die Stadt Dresden, den Freistaat Sachsen, aber auch den Bund und die Europäische Union auf, gemeinsam mit dem Unternehmen zu prüfen, ob und welche Perspektiven es für den Standort Dresden gibt. »Ich werde das Thema auch gegenüber der Europäischen Kommission ansprechen.«

Bereits im Juni haben zwei große Pharmaunternehmen ihre Investitionen aus Rheinland-Pfalz zurückgezogen – teilweise mit Verweis auf das GKV-Spargesetz und den Druck für günstigere Preise aus den USA. Die Pharmaindustrie forderte kürzlich erneut, den Pharmastandort zu stärken und eine »De-Industrialisierung« zu verhindern

Mehr von Avoxa